inkotaBerlin. - Sechs Monate lang hat die Lufthansa ein Bio-Kerosin-Gemisch in einem seiner Flugzeuge getestet. Das Bio-Kerosin-Gemisch besteht unter anderem aus Jatropha, einer ölhaltigen Pflanze, die in Mosambik und Indonesien angebaut wird. Der Konzern zieht eine positive Bilanz des Tests: Es habe keine Motorschäden oder Veränderungen am Material durch das Bio-Kerosin gegeben. INKOTA warnt jedoch vor negativen Auswirkungen in den Anbauländern.

Der Lufthansa zufolge stelle allein die Beschaffung der Rohstoffe für das Bio-Kerosin ein Problem dar, da es nicht genügend Anbauflächen gibt, berichtete das entwicklungspolitische Netzwerk INKOTA. Zu den sozialen und ökologischen Auswirkungen in den Anbauländern schweige die Lufhansa jedoch.

"Eine positive Bilanz des Bio-Kerosin-Tests ist verfrüht", warnte Evelyn Bahn, Referentin für Welternährung bei INKOTA. "Neben technischen Aspekten muss Lufthansa auch auswerten, wie sich die Nutzung von Bio-Kerosin auf die Menschen in den Anbauländern auswirkt. Wenn Lufthansa Schwierigkeiten hat, Anbauflächen zu finden, dann hat das einen Grund: Fruchtbares Ackerland wird weltweit knapper und die Bio-Kerosin-Pläne heizen Konflikte um Land weiter an."

Zudem scheine der Anbau von Jatropha weniger rentabel zu sein, als vor wenigen Jahren noch erwartet, so INKOTA. Allein in Mosambik und Tansania seien mehrere Jatropha-Plantagen mittlerweile wieder eingestellt worden. Die betreibenden Unternehmen hätten Insolvenz angemeldet. Auch der britische Konzern Sun Biofuels habe im vergangenen Herbst aufgeben müssen. Die Lufthansa habe von dem Tochterunternehmen Sun Biofuels Mozambique mehrere Tonnen Jatropha für die Bio-Kerosin-Produktion importiert.

"Jatropha wurde als Wundermittel angepriesen, weil es auf marginalen Böden wächst. Doch der Anbau auf marginalen Böden bringt keine rentablen Erträge. Wenn der Anbau von Jatropha zukünftig auf fruchtbare Ackerflächen verlegt wird, wird die Nahrungsmittelproduktion verdrängt und es kommt zu einer Verschärfung der Hungerkrise", befürchtet Bahn.

Das entwicklungspolitische Netzwerk INKOTA fordert von der Lufthansa, die Auswirkungen der Bio-Kerosin-Produktion auf die Ernährungssicherheit und auf Landkonflikte in den Anbauländern zu evaluieren. Beim Anbau von Rohstoffen für die Bio-Kerosin-Produktion müssten soziale und ökologische Standards, sowie Menschenrechte eingehalten werden, Landnutzungsänderungen vermieden werden und die betroffene Bevölkerung im Sinne des Prinzips der freien, rechtzeitigen und informierten Zustimmung in alle sie betreffenden Einscheidungen einbezogen werden (free, prior and informed consent, FPIC).

www.inkota.de

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