haiti_port_au_princeBerlin. - Zwei Jahre nach dem verheerenden Erdbeben in Haiti vom 12. Januar 2010 haben Hilfswerke eine überwiegend positive Bilanz ihrer Arbeit gezogen. Trotz aller Widrigkeiten gehe der Wiederaufbau voran. "Es herrscht eine deutliche Aufbruchstimmung im Land, seitdem die neue Regierung im Oktober endlich ihre Arbeit aufgenommen hat. Jetzt muss sie die vielen Probleme des Landes gemeinsam mit der Zivilgesellschaft beherzt anpacken", sagte Peter Mucke, Geschäftsführer des Bündnisses Entwicklung Hilft.

Wichtig sei nun, die haitianische Zivilgesellschaft stärker als bisher in den Neuaufbau des Landes einzubeziehen – sowohl durch die haitianische Regierung als auch durch die internationale Staatengemeinschaft, erklärte Mucke. "Entwicklung funktioniert nicht als Top-Down-Prozess. Deshalb arbeiten die Hilfswerke im Bündnis Entwicklung Hilft eng mit haitianischen Nichtregierungsorganisationen zusammen."

"Die Hilfsorganisationen sind jetzt im Übergang von der Nothilfe zum Wiederaufbau. Knapp  drei Viertel der gut 17 Mio. Euro, die Aktion Deutschland Hilft an Spenden für Haiti erhalten hat, wurden bislang ausgegeben oder sind konkret verplant", sagte Manuela Roßbach, Geschäftsführerin des Bündnisses Aktion Deutschland Hilft. Fast 2000 Übergangshäuser seien errichtet worden. Über 100 Schulen seien repariert oder neu gebaut und mit Lehr- und Schulmaterial ausgestattet worden, mehr als 1,5 Mio. Menschen hätten Zugang zu sauberem Trinkwasser erhalten und fast 850 Latrinen oder Toiletten seien gebaut worden.

14 Gesundheitsstationen oder Krankenhäuser wurden nach Angaben der Aktion Deutschland Hilft instand gesetzt oder neu gebaut, mehr als 300.000 Patienten wurden medizinisch behandelt, 200 Menschen erhielten Prothesen oder orthopädische Hilfen, 2.300 Menschen wurden in moderner Landwirtschaft oder Kleingewerbe geschult oder in technischen und handwerklichen Berufen ausgebildet. "In diesen Bereichen laufen unsere Maßnahmen auch über 2012 hinaus weiter", so Roßbach.

"Das Land war schon vor dem Beben durch extreme Armut und eine kaum funktionierende Regierung gekennzeichnet", sagte MISEREOR-Hauptgeschäftsführer Josef Sayer. "Dies forderte besondere Anstrengungen beim Wiederaufbau. MISEREOR machte dabei mit seinen 40 Partnerorganisationen die Erfahrung, dass die solidarische Hilfe aus Deutschland zu echter Selbsthilfe führte. In den Projekten legten die Haitianerinnen und Haitianer Hand an und schafften Zeichen der Hoffnung."

Das Kinderhilfswerk UNICEF berichtete, heute könnten mehr als 750.000 Kinder in Haiti wieder zur Schule gehen. 80.000 von ihnen besuchten 193 von UNICEF gemeinsam mit Partnern neu aufgebaute erdbebensichere Schulen. Mehr als 120.000 Kinder nutzten Spiel- und Lernmöglichkeiten in 520 betreuten Spielzonen, die UNICEF in den vom Erbeben verwüsteten Gebieten eingerichtet hat. 15.000 mangelernährte Kinder hätten lebensrettende Hilfe in 314 therapeutischen Ernährungszentren erhalten. 95 Gemeinden hätten neue Programme zur besseren Abwasserentsorgung gestartet.

"Es gibt an vielen Stellen erkennbare kleine Fortschritte – auch wenn die enormen Probleme und Unzulänglichkeiten bei den Regierungsstrukturen weiter bestehen", erklärte die Leiterin von UNICEF-Haiti, Françoise Gruloos-Ackermans. "Man darf sich nichts vormachen. Das Land bleibt ein fragiler Staat, geprägt von chronischer Armut, Unterentwicklung und schwachen Institutionen. Die Kinder sind durch Krisen und die Folgen von Naturkatastrophen besonders gefährdet."

"Der Wiederaufbau geht jetzt mit großen Schritten voran", sagte Jürgen Thiesbonenkamp, Vorstandsvorsitzender der Kindernothilfe. Das Hilfswerk hat drei von neun geplanten Schulen bereits fertiggestellt und legt gerade das Fundament für eine der größten Schulen Haitis. Politische Instabilität und mangelnde Infrastruktur erschwerten aber weiterhin die Arbeit. Viele Zeltstädte seien mittlerweile aufgelöst, einige Lager würden sich jedoch voraussichtlich zu dauerhaften Stadtteilen verfestigen. Die Menschen dort brauchten weiterhin internationale Unterstützung, damit sie solide soziale und wirtschaftliche Strukturen entwickeln können. Mit 22 Projekten begleitet die Kindernothilfe insgesamt rund 17.000 Kinder und ihre Familien in eine bessere Zukunft.

Seit den ersten Tagen nach der Katastrophe sind auch die Johanniter vor Ort. Nach dem Einsatz der Soforthelfer engagiert sich die Hilfsorganisation mit einem Länderbüro für langfristig angelegte Projekte. "Die fehlenden staatlichen Strukturen und die schlechte Infrastruktur machen die Arbeit vor Ort mühsam", sagte Jutta Meissner, bei den Johannitern verantwortlich für die Haiti-Projekte. Die Johanniter engagieren sich mit Unterstützung des Auswärtigen Amtes seit Juli 2011 auch im Bereich Katastrophenvorsorge. Ziel des Projektes ist es, die zivile Bevölkerung des Distriktes Léogâne besser auf einen Katastrophenfall vorzubereiten. 20 haitianische Trainer wurden in elementaren Maßnahmen der Katastrophenvorsorge und in Erster Hilfe ausgebildet. Die erworbenen Kenntnisse vermitteln die Trainer nun in Tages-Kursen der breiten Bevölkerung.

Foto: © Herzau/Welthungerhilfe

http://de.wikipedia.org/wiki/Erdbeben_in_Haiti_2010

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