aerzte_ohne_grenzenBerlin. - Wegen neuer Gewalt im Osten der Demokratischen Republik Kongo hat Ärzte ohne Grenzen die Hilfe in den Provinzen Nord- und Südkivu eingeschränkt. Bewaffnete Konflikte in der Region hätten sich verschärft, große Truppenbewegungen seien im Gange, berichtete die Hilfsorganisation am Donnerstag in Berlin. Besonders die Zivilbevölkerung leide unter der Gewalt, aber auch Mitarbeiter von Hilfsorganisationen seien angegriffen worden.

"Die Situation in den Kivu-Provinzen stabilisiert sich nicht - im Gegenteil. Die Lage verschlechtert sich seit einigen Monaten", erklärte Marcela Allheimen, Programmleiterin von Ärzte ohne Grenzen. In den vergangenen Tagen seien Soldaten der kongolesischen Armee zu anderen Gruppierungen übergelaufen und hätten dadurch Kämpfe und eine zunehmende Unsicherheit ausgelöst. "Wir beobachten ein Wiederaufflammen der Gewalt. Aber noch schlimmer ist, dass jetzt auch Zivilisten und Mitarbeiter von Hilfsorganisationen zu Opfern von Gewalt werden", sagte Allheimen.

Seit November 2011 seien Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen mehr als 15 Mal zum Opfer von gewaltsamen Übergriffen geworden, berichtete die Organisation. Zuletzt sei in der vergangenen Woche ein Haus von Ärzte ohne Grenzen in der Stadt Baraka in Süd-Kivu durch uniformierte bewaffnete Männer überfallen worden. Am 4. April seien ein Krankenpfleger und ein Logistiker auf einer Straße bei Nyanzale in Nord-Kivu entführt und erst nach mehreren Stunden wieder freigelassen worden. Bewaffnete hätten darüber hinaus die Herausgabe von Geld, Lebensmitteln und Mobiltelefonen erzwungen, die für die militärische Logistik verwendet werden.

Aus diesem Grund hat Ärzte ohne Grenzen - eine von wenigen medizinischen Hilfsorganisationen in den Kivu-Provinzen - die Arbeit in Nyanzale eingestellt. Auch in anderen Regionen seien die Aktivitäten verringert oder Teams abgezogen worden, erklärte die Organisation. Als Konsequenz werde der Zugang zu medizinischer Hilfe für die durch den jahrelangen Konflikt ohnehin geschwächten Menschen in der Region noch schwieriger. Die Bevölkerung habe Angst, sich auf den Weg zu Gesundheitseinrichtungen zu machen, und Ärzte ohne Grenzen könne nicht in angemessener Form Hilfe leisten.

Eine weitere existentielle Folge für die Menschen ist Ärzte ohne Grenzen zufolge, dass wegen der problematischen Sicherheitslage nur wenige Menschen zur Arbeit auf die Felder gehen. Die Bevölkerung werde bestohlen und erpresst. Zivilisten würden dazu gezwungen, Hab und Gut von Bewaffneten zu transportieren, und es komme vor, dass Frauen wie Sklavinnen gehalten werden.

"Die nationalen und internationalen Stabilisierungsbemühungen für die Kivu-Provinzen waren nie so wichtig wie heute", betonte Ärzte ohne Grenzen. Die Hilfsorganisation stellte angesichts der Verschlimmerung der Situation deren Effektivität allerdings in Frage und ist besorgt, dass die Möglichkeit, medizinische Hilfe zu leisten, weiter schwindet. Trotz der schwierigen Sicherheitslage hat Ärzte ohne Grenzen aber noch immer Teams in den Kivu-Provinzen, die an mehreren Orten medizinische Hilfe leisten.

www.aerzte-ohne-grenzen.de

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