olympia_100Berlin. - Amnesty International hat die Entscheidung des Organisationskomitees der Olympischen Spiele in London kritisiert, das Unternehmen Dow Chemical als Sponsor zuzulassen. Dow sponsert die Kunststoffhülle des Olympiastadions in London. Dow Chemical hatte im Jahr 2001 das Unternehmen Union Carbide übernommen, das für die Chemie-Katastrophe im indischen Bhopal verantwortlich war.

Union Carbide hatte die größte Chemiekatastrophe der Geschichte ausgelöst: Im indischen Bhopal strömten in der Nacht vom 2. zum 3. Dezember 1984 viele Tonnen giftiger Gase aus einer Pestizidfabrik der Firma. In der Folge starben Amnesty zufolge bis heute mehr als 20.000 Menschen, mehr als 100.000 leiden an chronischen Krankheiten.

Union Carbide habe weder für die Dekontaminierung des Geländes gesorgt, noch habe die Firma je die Zusammensetzung des entwichenen Gases veröffentlicht, was die Behandlung der Opfer erschwert habe, kritisierte Amnesty. Dow sei Rechtsnachfolger von Union Carbide, bestreite aber jede rechtliche Verpflichtung, die Opfer des Unglücks zu entschädigen und das Gelände zu säubern.

Michael Gottlob, Indien-Experte von Amnesty International, kritisierte die Vergabe des prestigeträchtigen Vertrags an Dow Chemical durch das Londoner Organisationskomitee: "Das ist ein Schlag ins Gesicht der Opfer des Bhopal-Unglücks, die bis heute unter den Folgen leiden. Dow Chemical muss sich endlich der menschenrechtlichen Verantwortung in Bhopal stellen, das Firmengelände reinigen und für angemessene Entschädigungen sorgen. Die Überlebenden von Bhopal warten darauf seit 27 Jahren."

Amnesty International hatte das Londoner Organisationskomitee (LOCOG) im Januar aufgefordert, ein Treffen mit Überlebenden und Opfern zu veranstalten. Das Komitee habe sich aber geweigert. Kurz darauf sei die Ethikbeauftragte der Nachhaltigkeitskommission aus Protest gegen diese Weigerung zurückgetreten. In einer Anhörung des UN-Menschenrechtsrates hatte Amnesty LOCOG aufgefordert, die Sponsorenvereinbarung mit Dow zu kündigen. Das Organisationskomitee habe sich aber nicht von Dow getrennt, sondern die Rechtsposition der Firma verteidigt.

"Wir fordern das Organisationskomitee auf, nicht länger einen Zusammenhang zwischen Dow Chemical und der Katastrophe in Bhopal zu leugnen. Dow als Sponsor für die Olympischen Spiele zu verpflichten, die als 'die nachhaltigsten Spiele aller Zeiten' beworben werden, ist absurd. Die Veranstalter sollten ihren Fehler eingestehen und sich entschuldigen", sagte Gottlob.

www.amnesty.de

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