ai_orgBerlin. - In Nigeria fürchtet Amnesty International die Entwicklung einer Spirale der Gewalt, die die Menschen in in die Arme von Extremisten treiben könnte. Das brutale Vorgehen der nigerianischen Sicherheitskräfte gegen den Terror der islamistischen Gruppierung Boko Haram verschärfe die dramatische Situation zusätzlich, heißt es in einem neuen Bericht von Amnesty. Am schlimmsten leide darunter die nigerianische Zivilbevölkerung.

"Die Menschen in Nigeria leben in Angst und Unsicherheit: Sie leiden nicht nur unter der Gewalt, die von Boko Haram ausgeht, sondern auch unter den Menschenrechtsverletzungen der nigerianischen Sicherheitskräfte, die sie eigentlich beschützen sollten", beschreibt Christian Hanussek, Nigeria-Experte bei Amnesty International, die Situation.

Der neue Bericht von Amnesty International dokumentiert die Gräueltaten von Boko Haram – dazu zählen Mord, Vertreibung, das Inbrandsetzen von Schulen und Kirchen und Attacken auf Medienvertreter sowie Journalisten. Den Sicherheitskräften wirft die Menschenrechtsorganisation unter anderem Folter, Exekutionen, Brandstiftung, willkürliche Inhaftierungen und "Verschwindenlassen" von Menschen vor.

Die Bevölkerung lebe in einem Klima der Angst: die Menschen seien zu verängstigt, um Verbrechen anzuzeigen und auch Journalisten vermeiden kritische Berichterstattung aus Angst um die eigene Sicherheit, so der Bericht. Hunderte Menschen, denen angebliche Kontakte zu Boko Haram unterstellt wurden, seien inhaftiert worden. Viele von ihnen mussten und müssten über einen langen Zeitraum im Gefängnis bleiben. Sie würden nicht vor Gericht gestellt, könnten keinen Anwalt kontaktieren und die Angehörigen würden nicht informiert.

"Die nigerianische Regierung muss die Bevölkerung vor dem Terror von Boko Haram schützen, aber sie muss dabei die Menschenrechte achten. Jedes Unrecht, das unter dem Deckmantel der Sicherheit geschieht, wird den Terrorismus zusätzlich stärken – die Folge ist ein Teufelskreis aus Tod und Zerstörung", warnt Hanussek: "Die Vorfälle müssen untersucht und die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden."

Amnesty International hat Außenminister Guido Westerwelle (FDP), der am Freitag Nigeria besuchen wird, den Bericht zukommen lassen und ihn gebeten, in seinen Gesprächen die Menschenrechtsverletzungen seitens der Sicherheitskräfte zu thematisieren. Der Bericht wurde von Salil Shetty, Internationaler Generalsekretär von Amnesty International, am Donnerstag in Abuja vorgestellt.

www.amnesty.de

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