angra3Berlin. - Anlässlich der Hauptversammlung der Allianz am Dienstag haben Umwelt- und Menschenrechts-Organisationen die Unterstützung des Versicherungskonzerns für "katastrophale Projekte weltweit" kritisiert. Obwohl sich das Unternehmen gern als nachhaltig agierend präsentiere, versichere es die umstrittenen Energieprojekte Belo Monte und Angra 3 in Brasilien und prüfe eine Absicherung der Goldmine Rosia Montana in Rumänien, so die Kritiker.

"Das Staudammprojekt Belo Monte entzieht den Einwohnern der Amazonas-Region um Altamira und an der großen Flussschlinge des Xingu ihre Lebensgrundlage", sagte Verena Glass von der Widerstandsbewegung "Lebender Xingu-Fluss" zur Situation in Brasilien. Durch das Staudammprojekt würden 400 Quadratkilometer Regenwald vernichtet und bis zu 40.000 Menschen seien von Zwangsumsiedlung bedroht. Tausende Fischer, Flussanwohner, Indigene und Kleinbauern stünden vor dem Verlust ihrer Existenzgrundlage.

"Wir vor Ort begreifen dieses Projekt als massiven Angriff auf das Überleben Tausender Menschen in einer der artenreichsten Regionen Amazoniens und der Welt", so Glass. Die regionale Staatsanwaltschaft habe wegen Gesetzesbrüchen bereits 17 Klagen gegen das Baukonsortium eingereicht. Die Allianz sichere den Staudamm Belo Monte mit über 400 Millionen Euro ab, obwohl führende Mitarbeiter der Allianz sich noch vor wenigen Jahren explizit gegen die Absicherung dieses Großstaudammes ausgesprochen hätten.

Auch am zweiten der beiden umstrittensten Energieprojekte Brasiliens ist die Allianz beteiligt. Sie versichere auch den Bau des Atomkraftwerks Angra 3 mit. Angra 3 ist seit den 70-er Jahren in Planung, der Bau wurde nach einer kurzen Phase in den 80er Jahren auf Eis gelegt und erst 2010 wieder aufgenommen. Da der gleiche Reaktortyp gebaut werden solle, der in den 70ern geplant wurde, so die Kritiker, sei die Anlage bereits vor Fertigstellung hoffnungslos veraltet. Zudem liege der Standort in einer erdrutschgefährdeten Gegend, was die Evakuierung der gut 170.000 dort lebenden Menschen im Notfall fast unmöglich mache.

"Falsche Annahmen, ein gefährlicher Standort, veraltete Reaktortechnologie, unzureichende Sicherheitsanalysen und mangelnde Aufsicht durch eine unabhängige Atomsicherheitsbehörde sind die Zutaten, die zur Katastrophe von Fukushima geführt haben", erklärte Heffa Schücking, Geschäftsführerin der Umweltorganisation urgewald. "Alle diese Faktoren liegen auch bei Angra 3 vor. Deshalb ist es unverantwortlich, dass die Allianz sich an der Versicherung für dieses Projekt beteiligt."

Darüber hinaus kritisieren Umweltschützer, dass die Allianz prüfe, die rumänische Goldmine Rosia Montana in den Westkarpaten zu versichern. Dort wolle ein kandadisches Unternehmen im Tagebau Gold abbauen. Dafür würden sowohl Menschen von ihrem Land vertrieben, als auch einzigartige historische Galerien aus römischer und vorrömischer Zeit zerstört. Der lokale Widerstand gegen das Projekt laufe seit 13 Jahren und werde von den Kirchen,  Künstlern, Journalisten, Wissenschaftler sowie der Rumänischen Akademie der Wissenschaften und dem Rumänischen Königshaus unterstützt.

www.urgewald.de

 


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