kindLondon. - Am Rande des G8-Gipfels in London haben Regierungen, Stiftungen und zivilgesellschaftliche Gruppen mehr Mittel gegen Mangelernährung angekündigt. Die Europäische Union will bis 2020 rund 3,5 Milliarden Euro aufwenden, die deutsche Bundesregierung 200 Millionen. Die Gates Stiftung sagte 800 Millionen US-Dollar für Investitionen in Landwirtschaft und Ernährungssicherung zu. Insgesamt wurden Zusagen in Höhe von 4,1 Milliarden US-Dollar gemacht.

Entwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) sagte auf der Veranstaltung "Nutrition for Growth" in London am Samstag: "Diese Bundesregierung hat Ernährungssicherung wieder nach ganz oben auf die Agenda für internationale Zusammenarbeit gesetzt. Ernährungssicherung ist jetzt eine Querschnittsaufgabe der deutschen Entwicklungspolitik. Es ist ein Skandal, dass weltweit rund zwei Milliarden Menschen mangelernährt sind. Maßnahmen zur Reduzierung von Unter- und Mangelernährung besonders bei Kleinkindern und Müttern sind hierbei sehr wirksame Investitionen in die Zukunft. Für die Bekämpfung der Unter- und Mangelernährung wird Deutschland deshalb bis 2020 200 Millionen Euro für Vorhaben bereitstellen, die gezielt einen direkten Beitrag dazu leisten, die qualitative Nahrungsmittelversorgung insbesondere von Kleinkindern und Müttern zu verbessern."

ONE Deutschland hatte eine Petition mit knapp 270.000 Unterschriften an das Entwicklungsministerium übergeben. Die Petition ruft Regierungen auf, konkrete und messbare Finanzzusagen für Ernährungssicherung zu machen. Der Direktor von ONE Deutschland, Tobias Kahler, zeigte sich erfreut über die Zusagen: "Die heutigen Zusagen wurden dringend benötigt und sie zeigen wirklichen politischen Willen. Die Beteiligten haben die strategische Bedeutung der Bekämpfung von Mangelernährung erkannt. Wichtig ist jetzt, dass von allen zugesagten Geldern möglichst viel nachvollziehbar für grundlegende Ernährung ausgegeben wird. Die Bundesregierung hat dafür in den vergangenen drei Jahren durchschnittlich jährlich weniger als 15 Millionen Euro aufgebracht. Deutschland sollte seinen Beitrag kurzfristig mindestens auf 30 Millionen Euro verdoppeln. Die heutige deutsche Zusage wird dies nur dann erfüllen können, wenn sie zu einem Großteil für diesen spezifischen Bereich genutzt wird. Mittelfristig müssen die Aufwendungen für grundlegende Ernährung auf 1 Prozent der deutschen Entwicklungsgelder anwachsen, denn der Bedarf wird erwiesenermaßen steigen."

Kahler unterstrich die Bedeutung der Messbarkeit der gemachten Zusagen: "Der Erfolg wird entscheidend von Transparenz abhängen. Jeder Cent muss nachvollziehbar sein und nachverfolgt werden. Nur so können wir sehen, wo das Geld landet und sicherstellen, dass zielgerichtet grundlegende Ernährung gefördert wird."

Die britische Regierung kündigte in London bei einem G-8-Treffen mit Unternehmensvertretern an, ihre Kooperation im Rahmen der "Neuen Allianz für Ernährungssicherung" um vier auf insgesamt zehn afrikanische Länder auszuweiten. Oxfam kritisierte dies ebenso wie andere NGOs als falschen Ansatz:  "Die G-8 macht Ernährungspolitik mit Unternehmen für Unternehmen", sagte Oxfams Agrarexpertin Marita Wiggerthale. Bauern- und Frauenorganisationen sowie Gewerkschaften blieben außen vor. "Die 'Neue Allianz' muss radikal reformiert oder beendet werden", forderte Wiggerthale. "Aktuell gefährdet die G-8 die Existenzgrundlagen von Kleinbauern und Kleinbäuerinnen, anstatt Hunger wirksam zu bekämpfen."

Bei den bereits bestehenden Rahmenabkommen mit sechs afrikanischen Ländern – Tansania, Äthiopien, Ghana, Mosambik, Elfenbeinküste und Burkina Faso – seien laut Wiggerthale drei grundlegende Fehler gemacht worden. Erstens würden marginalisierte Gruppen nicht an der Erstellung der Abkommen beteiligt. Zweitens stärke die "Neue Allianz" die Eigentumsrechte von Investoren, wodurch der Zugang von kleinen Produzenten und Produzentinnen zu Land, Saatgut und Wasser bedroht werde. Drittens kämen die Investitionen nicht an erster Stelle den Kleinbauernfamilien zu Gute, die am stärksten von Hunger betroffen seien und das Rückgrat des Ernährungssystems bildeten.

www.bmz.de
www.one.org
www.oxfam.de

 


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