ScreenshotBerlin. - In einem offenen Brief haben 22 nichtstaatliche Organisationen aus dem Arbeitsfeld Entwicklung den TV-Sender Pro7 dazu aufgefordert, die Ausstrahlung der Sendung "Reality Queens auf Safari" mit sofortiger Wirkung zu stoppen. Das Format der Sendung "verstärkt allgemeinverbreitete Stereotype gegenüber dem ostafrikanischen Land Tansania, schürt gängige Vorurteile und stellt die Menschen des Landes in einer rassistischen und diskriminierenden Form dar", heißt es in einer Erklärung der NGOs.

"Das in der Sendung erzeugte Bild von Tansania und seinen Menschen ist einfältig, beleidigend und menschenunwürdig", so die entwicklungspolitischen Organisationen, darunter das Tanzania-Network. Die Ausstrahlung der Sendung in der deutschen Medienlandschaft sei daher "inakzeptabel".
 
Bereits im Vorspann der Sendung werde Tansania als ein kleines Land dargestellt, in dem "Afrika noch mehr als eine Showkulisse" sei, "die Tiere richtig wild" und "die Naturvölker richtig echt" seien. "Dies entspricht – bei einer Größe des 2,5-fachen der Bundesrepublik, gut 45 Mio. Einwohnern, Tansanias kultureller Vielfalt und mit 130 unterschiedlichen Ethnien und Sprachen – nicht annähernd der Realität", urteilen die NGOs. "Dass ein professionell operierendes Unternehmen mit derart medialem Einfluss wie Pro7 auf solch ein unreflektiertes Afrikabild zurückgreifen muss, ist erschreckend."
 
Als Beispiel nennt das Tanzania-Network die Sendung vom 22. August, in der eine Kandidatin mit der Aussage zitiert werde, dass die tansanischen Männer bei ihrer Ankunft (der Kandidatinnen) am Flughafen einen Samensturz gehabt hätten. Im anschließenden Schnitt seien kopulierende Affen eingeblendet worden. "Neben einer pervertierten Beleidigung der hier gemeinten tansanischen Männer durch die Kandidatin, lässt der damit verbundene Schnitt den subtilen Vergleich zwischen Tansaniern und Affen zu, das ist ungeheuerlicher Rassismus kolonialer Prägung", erklärten die NGOs.
 
Die nichtstaatlichen Organisationen werfen dem Sender vor, er verbreite "nur altbekannte Stereotype" und fördere "ein rassistisches, neokoloniales Bild Afrikas". "Daher fordern wir die Ausstrahlung der Sendung 'Reality Queens auf Safari' mit sofortiger Wirkung zu stoppen."

"Die Pro7-Sendung 'Reality Queens auf Safari' bedient sich überkommener Stereotype und einer neokolonialen Perspektive auf Afrika", kommentierte Niema Movassat, Entwicklungspolitiker der Fraktion DIE LINKE im Bundestag. "Der Gedanke, dem Publikum in einer unterhaltsamen Abendsendung ein afrikanisches Land wie Tansania näher zu bringen, mag durchaus richtig sein. Doch leider werden durch solche Sendungsformate koloniale Denkmuster und rassistische Stereotype fortgeschrieben und befördert. Das Bild, das den Zuschauern von Tansania und seiner Bevölkerung gezeigt wird, entspricht nicht der Realität und kann nicht durch Fehlinformation entschuldigt werden – hier werden tansanische Männer an einer Stelle in Verbindung mit der Bildabfolge mit Affen verglichen – das kann nur als offener Rassismus bezeichnet werden! DIE LINKE fordert daher die sofortige Absetzung der Sendung!"

 
Folgende Organisationen haben den Offenen Brief unterzeichnet:

  • Tanzania-Network.de e.V.
  • Africavenir International e.V.
  • Afrotak TV cyberNomads
  • Arbeitskreis Hamburg Postkolonial
  • Arbeitskreis Panafrikanismus e.V.
  • Arbeitsstelle Eine Welt in der evangelisch-lutherischen Landeskirche Sachsens
  • Berliner Entwicklungspolitischer Ratschlag (BER)
  • Berlin Postkolonial e.V.
  • Deutsch-Tansanische Freundschaftsgesellschaft e.V.
  • Deutsch-Afrikanisches Zentrum e.V.
  • Eine Welt Netzwerk Hamburg e.V.
  • Entwicklungspolitisches Netzwerk Sachen e.V.
  • e.p.a.- european playwork association e.V.
  • INISA e.V.
  • Initiative Schwarze Menschen in Deutschland e.V.
  • INKOTA-netzwerk e.V.
  • Le Chantier - Afrikawerkstatt
  • Leipziger Missionswerk
  • Mission EineWelt, Centrum für Partnerschaft Entwicklung und Mission der ev.-luth. Kirche in Bayern
  • München Postkolonial
  • Tansania-Kreis Martineum Halberstadt

Foto: Screenshot Pro7
http://tanzania-network.de



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