palmoelkerne rspo 150Berlin. - Der Runde Tisch für nachhaltiges Palmöl (RSPO) macht Druck auf die europäischen Politiker: Sie sollen für mehr Umsatz bei den Herstellern von Ölen und Fetten, Wasch- und Reinigungsmitteln sorgen. "Europa muss eine führende Rolle bei der Absatzsteigerung von nachhaltigem Palmöl übernehmen oder die Konsequenzen tragen", forderten die Unternehmen nach dem Ende des ersten Europagipfels des RSPO am Mittwoch in Berlin.

"Der RSPO feiert die Gründung der Französischen Allianz und des Deutschen Forums für Nachhaltiges Palmöl und verleiht damit der Veränderung der europäischen Märkte hin zu mehr Nachhaltigkeit neuen Schwung", heißt es vollmundig in einer Erklärung, die rund 260 Delegierte beim Gipfel des Roundtable on Sustainable Palm Oil verabschiedeten. "Dieses länderübergreifende Engagement für nachhaltiges Palmöl ist ein Beweis für die Bereitschaft der Industrie, einen Schritt in die richtige Richtung zu tun. Doch der RSPO betont, dass der öffentliche Druck erst noch größer werden muss, bevor die Palmölindustrie vollends auf Nachhaltigkeit umgestellt werden kann."

Darrel Webber, Generalsekretär des RSPO, "gibt an" (sic!): "Die Industrie in Europa hat mit einem spürbaren nationalen Engagement zugunsten des nachhaltigen Palmöls einen mutigen Schritt nach vorne getan. Während einige Länder über die Jahre hinweg eine steigende Akzeptanz und Nutzung von nachhaltigem Palmöl melden, sind die Entwicklungen einiger Märkte hinsichtlich der Annahme von zertifiziertem nachhaltigem Palmöl  rückläufig. Diese fehlende Unterstützung kann Anbaubetriebe in aller Welt entmutigen, sich auch weiterhin für nachhaltige Praktiken beim Palmölanbau einzusetzen."
 
"Die europäischen Verbraucher fordern mehr Transparenz bei den Inhaltstoffen von Produkten", sagte Webber. "Gleichzeitig hoffen die Anbaubetriebe darauf, dass die weiterverarbeitende Industrie sich gleichermaßen engagiert. Die Zeit ist gekommen, dass sich Europa zusammenschließt und sein Engagement für nachhaltiges Palmöl verstärkt , damit große Verbraucherländer wie Indien und China sich von diesem Beispiel inspirieren lassen und ihm folgen."
 
Der RSPO-Europagipfel sei organisiert worden, so das RSPO Sekretariat, "um die europäische Industrie zur Steigerung der Nachfrage nach zertifiziertem nachhaltigem Palmöl (Certified Sustainable Palm Oil = CSPO) zu ermutigen und der Umstellung des Palmölmarktes neuen Schwung zu verleihen". Die sich verändernde Situation in Bezug auf die europäische Gesetzgebung (per Dezember 2014 schreibe die EU-Gesetzgebung die Angabe aller pflanzlichen Öle auf Lebensmittelprodukten vor) und das wachsende Verbraucherbewusstsein für Palmöl setzten die Industrie unter Druck.
 
Jan Kees Vis, Vorstandsvorsitzender des RSPO und Global Director Sustainable Development bei Unilever, erklärte, bei der Steigerung des Absatzvolumens von zertifiziertem Palmöl (CSPO) in den Verbrauchermärkten "spielen Unternehmen eine weitaus größere Rolle als Regierungen". Dabei sei die Zusammenarbeit auch für die Gründung nationaler Foren und Allianzen für nachhaltiges Palmöl "von grundlegender Bedeutung, was für die Anbaubetriebe durch die steigenden Absätze ein deutliches Zeichen setzen kann".
 
Der RSPO-Europagipfel begrüßte Vertreter des Deutschen Forums und der Französischen Allianz für Nachhaltiges Palmöl – die beide am 2. September offiziell an den Start gingen. Das kollektive Engagement der Industrie, bis zum Jahr 2015 ausschließlich CSPO zu beziehen, diene als "Katalysator für die Umwandlung des Marktgeschehens in Europa". Frankreich und Deutschland folgten dem Beispiel der Niederlande, Belgiens und Großbritanniens, wo bereits eine ähnliche Vereinbarung gelte. Diese Zusagen spielten eine Schlüsselrolle bei der Steigerung der Nachfrage nach CSPO - "und es funktioniert", so das RSPO Sekretariat". 2012 habe das Volumen von CSPO 41% in den Niederlanden und 31% in Belgien erreicht.
 
Die weltweite Nachfrage nach Fetten und Ölen soll Prognosen zufolge in den nächsten Jahren erheblich steigen. 15% der weltweiten Produktion von Palmöl ist inzwischen RSPO-zertifiziert. Die aktuelle, geschätzte Kapazität der Jahresproduktion an RSPO-zertifiziertem nachhaltigem Palmöl entspricht 8,2 Millionen metrischen Tonnen, etwa 15% der globalen Palmölproduktion. Verteilt auf 2,2 Millionen Hektar von zertifiziertem Gebiet stammen laut RSPO etwa 48,2% der weltweiten aktuellen Produktionskapazität des RSPO-zertifizierten nachhaltigen Palmöls aus Indonesien, gefolgt von Malaysia mit 43,9%; die übrigen 7,9% verteilen sich auf Papua-Neuguinea, die Salomon-Inseln, Thailand, Kambodscha, Brasilien, Kolumbien und Elfenbeinküste.
 
Viele nichtstaatliche Organisationen aus den Bereichen Entwicklung und Umwelt sehen die PR-Kampagne des RSPO, der von der Umweltstiftung WWF mitgetragen wird, äußerst skeptisch. "Mit immer neuen Werbetricks und scheinheiligen PR-Veranstaltungen versucht die Palmölindustrie, den Etikettenschwindel und Verbraucherbetrug zu kaschieren", sagte Renate Vollbracht von Rettet den Regenwald. Stefanie Hess von Robin Wood erklärte: "Die riesigen Palmölmonokulturen sind weder für die Umwelt noch für die Menschen verträglich. Selbst zertifiziertes Palmöl ist nicht grün. Auch daran klebt Blut aus dem Raubbau an Mensch und Natur."

Foto: Palmölkerne © RSPO

Hintergrund: Forum Nachhaltiges Palmöl gegründet

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