ifc iconParis. - Die International Finance Corporation (IFC), der privatwirtschaftliche Arm der Weltbank-Gruppe, bietet Zulieferern der Textilindustrie in Südasien ein Finanzierungsmodell an, um die Arbeitsbedingungen in der Textilbranche zu verbessern. Je mehr die Zulieferer ihrer Sozial- und Umweltstandards steigern, desto niedriger werden ihre Zinsen. IFC-Mitarbeiter Olaf Schmidt schildert in einem Beitrag für epo.de die Funktionsweise des Programms am Beispiel Bangladesch.

Die Bekleidungs- und Textilindustrie beschäftigt weltweit 60 Millionen Menschen. Investitionen in diesem Sektor sind eine Priorität für die IFC, weil sie offizielle Arbeitsplätze für geringer qualifizierte Arbeitskräfte schaffen und dadurch die Armut verringern. Darüber hinaus beschäftigt die Branche viele junge Frauen, die sonst wenige Möglichkeiten haben, ihr eigenes Einkommen zu verdienen und unabhängig zu werden. In diesem Sinne fördert sie auch die Gleichstellung der Geschlechter.

Um diese Ziele zu erreichen, müssen finanzielle Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit mit starken Sozial- und Umweltstandards kombiniert werden. Dies ist eine Herausforderung in Ländern, in denen Gesetze und Regierungen verbesserungsfähig sind. Es ist eine besondere Herausforderung in der Bekleidungsindustrie, in der der intensive Wettbewerb einige Zulieferer dazu bringen kann, grundlegende Sicherheitsnormen und Arbeitnehmerrechte zu missachten.

Wiederholte Werkskatastrophen haben die IFC angespornt innovative Wege zu finden, um die Bekleidungsindustrie in Entwicklungsländern zu verbessern. Während traditionelle Prüfungen und Überwachung wichtig sind, um Umwelt- und Sozialstandards zu gewährleisten, muss man auch finanzielle Anreize schaffen, so dass Anbieter ihre Arbeitsprozesse und Fabriken verbessern. Um zu zeigen, dass dies möglich ist, hat die IFC zusammen mit dem Bekleidungsunternehmer Levi Strauss ein neues Lieferanten-Finanzierungsprodukt entwickelt, das besonders in Südasien gebraucht wird.

Durch unser $500 Millionen Global Trade Finance Supplier Programm bieten wir Levi's Lieferanten kurzfristige Finanzierung an. Um niedrigere Zinsen zu zahlen, müssen sie gute Noten auf Levi's anspruchsvollem Bewertungssystem für Arbeit, Gesundheit, Sicherheit und Umweltfreundlichkeit erzielen. Je mehr die Zulieferer ihre ökologischen und sozialen Leistungen verbessern, desto niedriger werden ihre Zinsen. Lieferanten können sich dadurch auch von der Konkurrenz unterscheiden, durch positive ökologische und soziale Werte. Dies ist eine win-win-Lösung für alle Beteiligten, einschließlich der internationalen Käufer, die die Sicherheits- und Arbeitsbedingungen in ihren Lieferketten verbessern wollen.

Die IFC bemüht sich, auch andere positive Veränderungen in der Textil- und Bekleidungsbranche zu bewirken. In 2007 haben wir das Better Work Program mit der ILO gestartet, um globale Lieferketten zu verbessern, die Rechte der Arbeitnehmer zu schützen, und den Unternehmen zu helfen wettbewerbsfähiger zu werden. Das Programm, das in acht Ländern aktiv ist, konzentriert sich auf skalierbare und nachhaltige Lösungen, die auf die Zusammenarbeit zwischen Regierungen, Arbeitgeber- und Arbeitnehmerorganisationen, und internationalen Käufern aufbauten.

In Bangladesch, wo die Bekleidungs- und Textilbranche 80 Prozent der Exporterlöse darstellt und 4,2 Millionen Arbeitnehmer in 4.500 Fabriken beschäftigt sind, haben wir das Programm nach achtzehn Monaten der Zusammenarbeit mit der Regierung eingeführt, um deren Arbeitsgesetze zu verbessern. Das Ziel ist, die Evaluationen von Fabriken nach internationalen Maßstäben durchzuführen, die Ergebnisse in einer transparenten Weise zu berichten sowie Beratung für die Verbesserungen von Fabriken anzubieten.

Diese Art von Partnerschaft zwischen Regierungen, Arbeitgebern, Gewerkschaften, Einkäufern und anderen Interessensgruppen kann nachhaltige Veränderungen in der Textilindustrie hervorbringen. Wir hoffen, dass andere Markenhersteller und Länder dem Beispiel von Levi Strauss und Bangladesch folgen. Es ist nicht nur moralisch richtig, sondern auch wirtschaftlich sinnvoll.

Olaf Schmidt ist Global Sector Lead im Bereich Einzel- und Großhandel, Immobilien und Hotel Investitionen der IFC, dem privatwirtschaftlichen Arm der Weltbank-Gruppe. Der Beitrag gibt nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wider.

=> www.ifc.org 


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