suedsudanBerlin. - Die humanitäre Lage im Südsudan hat sich infolge der jüngsten Kämpfe weiter verschärft. Das haben zehn im Südsudan tätige Hilfsorganisationen am Donnerstag beklagt. Es sei zurzeit nicht möglich, Millionen von Menschen zu erreichen, die dringend auf Hilfe angewiesen seien. Trotz eines vereinbarten Waffenstillstandes hielten Gewalt und Unsicherheit in der Hauptstadt Juba an und breiteten sich in andere Bundesstaaten aus. Insgesamt benötige die Hälfte der Bevölkerung im Südsudan humanitäre Hilfe.

Die Hilfsorganisationen – CARE, Christian Aid, Danish Refugee Council, Global Communities, International Rescue Committee, Internews, Jesuit Refugee Service, Mercy Corps, Oxfam und Relief International – riefen die beiden Kriegsparteien auf, den vereinbarten Waffenstillstand in der Hauptstadt und im ganzen Land einzuhalten. Die Regierung und die im Südsudan stationierte Blauhelmtruppe der Vereinten Nationen (UNMISS) müssten gewährleisten, dass humanitäre Organisationen ein ausreichendes Sicherheitsumfeld haben, sodass die Hilfe die notleidende Bevölkerung erreichen kann.

Bereits vor dem Ausbruch der jüngsten Kampfhandlungen, die am 7. Juli begannen, unmittelbar vor dem fünften Jahrestag der Unabhängigkeit, hatten nach Angaben der NGOs 4,8 Millionen Menschen im Südsudan nicht ausreichend zu essen, und es gab 2,5 Millionen Binnenvertriebene im Land. Bei den Kämpfen in Juba kamen Anfang Juli 300 Menschen ums Leben und Tausende mussten aus ihren Häusern fliehen. Viele Menschen haben seitdem keinen ausreichenden Zugang zu Wasser, Nahrung oder ein Dach über dem Kopf.

"Erneut laufen wir Gefahr, die Menschen im Südsudan genau in dem Moment im Stich zu lassen, wenn sie unsere Hilfe am dringendsten benötigen", erklärte Kate Phillips-Barrasso vom International Rescue Committee. "Viele Hilfsorganisationen waren aufgrund der Kämpfe und anhaltenden Unsicherheit gezwungen, ihre Nothilfe zu unterbrechen oder zu reduzieren. Es sind die ärmsten und am meisten benachteiligten Menschen, die darunter am stärksten zu leiden haben. Die internationale Gemeinschaft muss ihre Anstrengungen verdoppeln, um eine tragfähige Krisenlösung zu finden. Was der Zivilbevölkerung wirklich hilft, ist ein Friedensvertrag, der vollständig umgesetzt wird. Der Status Quo reicht nicht aus."

Wegen der Unsicherheit haben viele Organisationen ihre Teams auf das absolute Minimum reduzieren müssen. Lagerhäuser mit Nahrungs-, Wasservorräten und anderen wichtigen Hilfsgütern wurden geplündert, auch noch, nachdem der aktuelle Waffenstillstand in Kraft trat. In einem Land, in dem es nur 200 Kilometer asphaltierte Straßen gibt, bedeuten anhaltende Kämpfe und zusätzliche Einschränkungen der Binnenflüge, dass Hilfsorganisationen sich nicht mehr ungehindert bewegen und ihre Hilfe dorthin bringen können, wo sie benötigt wird. Die Projektstandorte können nicht mehr mit Nachschub beliefert werden, der notwendig ist, um Hilfsmaßnahmen und die Versorgung mit Hilfsgütern durchzuführen.

Der Gewaltausbruch hatte auch zur Folge, dass die Bankgeschäfte zeitweise unterbrochen waren, was die Beschaffung von Hilfsgütern zusätzlich verzögerte. Zudem hatten viele Lieferanten ihren Betrieb angehalten, was weitere Verzögerungen zur Folge hatte.

"Wenn sich die Sicherheitslage noch weiter verschärft, wird es logistisch unmöglich, die Nothilfe aufrecht zu erhalten. In bestimmten schwer zu erreichenden Landesteilen im Südsudan war es vermutlich nur die humanitäre Hilfe, die dafür gesorgt gesagt, dass es bislang nicht zu regional begrenzten Hungersnöten kam. Wenn die humanitäre Hilfe wegen der anhaltenden Gewalt die Menschen nun weiterhin nicht erreichen kann, könnten die Konsequenzen verheerend sein", so Zlatko Gegic, Landesdirektor von Oxfam im Südsudan.

Die Hilfsorganisationen riefen den UN-Sicherheitsrat auf, die Leistungsfähigkeit von UNMISS zu verbessern. UNMISS müsse in der Lage sein, den Schutz der Zivilbevölkerung zu gewährleisten und den Hilfsorganisationen einen ungehinderten und sicheren Zugang im ganzen Land zu ermöglichen. Die internationale Gemeinschaft und hochrangige UN-Vertreter im Land sollten in diesem Zusammenhang gegenüber der Regierung im Südsudan eine Vermittlerrolle spielen.

"Das Unvermögen von UNMISS, die Zivilbevölkerung effektiv zu schützen, untergräbt die Bemühungen, das Land zu stabilisieren und macht es Hilfsorganisationen unmöglich, dringend benötigte Hilfe bereit zu stellen. UNMISS muss sein Mandat erfüllen, die Zivilbevölkerung und das Personal von Hilfsorganisationen zu schützen und humanitären Zugang zu ermöglichen", so Frederick McCray, Landesdirektor von CARE im Südsudan.

Quelle: www.oxfam.de 


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