gfbvGöttingen. - Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) blickt mit Sorge auf die vermehrten Entführungen im Konflikt um die anglophonen Regionen des Kamerun. Am Mittwoch war eine fünfzehnköpfige Fußballmannschaft der Universität in Buea entführt worden. Es war bereits die vierte politisch motivierte Entführung in den anglophonen Regionen innerhalb von zwei Tagen. Die Menschenrechtsorganisation forderte die Konfliktparteien nachdrücklich auf, sich zum Schutz der Zivilbevölkerung zu verpflichten. Geiselnahmen und andere Übergriffe auf Zivilisten müssten unterbunden werden.

"Die zunehmende Gewalt gegen Schüler, Studenten, Politiker und Reisende schürt Angst und Schrecken in der Zivilbevölkerung der umkämpften Regionen. Die Zivilisten zahlen einen hohen Preis für die Untätigkeit der Regierung, die jeden Dialog ablehnt. Eine politische Lösung der Krise wäre aber dringend geboten", erklärte Ulrich Delius, Direktor der Gesellschaft für bedrohte Völker, am Donnerstag in Göttingen.

Am Dienstag war Ndombe Bosso, Trainer der lokalen Fußballmannschaft Yong Sport, in der Stadt Bamenda verschleppt worden, berichtete die GfbV. Am Abend des gleichen Tages wurde er von seinen Entführern freigelassen. Am Mittwoch wurde der frühere Staatssekretär im Justizministerium Emmanuel Ngafeson Banta aus seinem Haus in der Nähe von Bamenda verschleppt. Auch er kam später unbehelligt wieder frei.

Ebenfalls am Mittwoch wurde ein Reisebus mit 80 Fahrgästen zwischen Buea und Kumba im Südwesten des Landes ausgeraubt und sieben Stunden lang festgehalten. Auch hier werden bei den Entführern politische Motive vermutet. Viele Straßen in den Bürgerkriegsgebieten gelten als nicht mehr sicher, es kommt regelmäßig zu Geiselnahmen und Erpressungen von Lösegeld. Die Angreifer wollen mit ihren Entführungen offenbar zeigen, dass die Sicherheitskräfte die Zivilbevölkerung nicht wirksam schützen können.

Rund 460.000 Menschen sind nach Angaben der GfbV inzwischen auf der Flucht vor der Gewalt in den anglophonen Regionen im Nordwesten und Südwesten des Landes. Rund 437.000 von ihnen haben in frankophonen Gebieten Schutz gefunden, mehrere zehntausend weitere hat das Nachbarland Nigeria aufgenommen. Seit November 2016 kämpfen bewaffnete Bewegungen in den anglophonen Regionen für einen unabhängigen englischsprachigen Staat.

Trotz zahlreicher Appelle aus dem In- und Ausland sei Kameruns Staatspräsident Paul Biya nicht zu einem glaubwürdigen politischen Dialog mit den nach Unabhängigkeit strebenden Kräften bereit, um die Krise zu lösen, kritisierte die GfbV.

Quelle: www.gfbv.de 


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