oxfamBerlin. - Die Arbeitsbedingungen in der burmesischen Textilindustrie sind unzumutbar und potenziell lebensgefährlich. Das ist das Ergebnis einer Studie, die Oxfam am Donnerstag in Berlin veröffentlicht hat. Demnach müssen die Beschäftigten in Myanmar zu Hungerlöhnen arbeiten und erleiden häufig Arbeitsunfälle, weil in vielen Fabriken elementare Sicherheitsvorkehrungen verletzt werden.

Für die Studie "Made in Myanmar: Entrenched Poverty or decent jobs for Garment Workers?" hatten Oxfam und mehrere lokale Menschenrechtsorganisationen 123 Textilarbeiter aus 22 Fabriken in der Region Rangun befragt. Darunter waren auch Fabriken, die für namhafte europäische Firmen produzieren. Dem Bericht zufolge sind geringe Löhne, Schikanen durch Vorgesetzte und unsichere Arbeitsbedingungen an der Tagesordnung. Der monatliche Durchschnittslohn der Befragten liege bei 98 US-Dollar. Trotz Schichten von bis zu elf Stunden, einer 6-Tage-Woche und erzwungenen Überstunden gaben drei Viertel der Befragten an, dass dies nicht ausreicht, um Grundbedürfnisse wie ausreichend Nahrung oder Medikamente zu abzudecken. Ein Drittel hat schon einmal eine Verletzung am Arbeitsplatz erlitten. Viele Arbeiter haben Angst vor Bränden und berichten, dass Fabrikausgänge blockiert oder verschlossen sind.

"Die Beschäftigten müssen mit Lohnkürzungen oder Entlassung rechnen, wenn sie sich krankmelden. Einige berichteten, dass sie während ihrer Schicht nicht einmal auf die Toilette gehen dürfen. Diese Bedingungen sind für eine Textilindustrie des 21. Jahrhunderts völlig inakzeptabel", sagte der Oxfam-Landesdirektor in Myanmar, Paul Joicey.

Nach Jahrzehnten der wirtschaftlichen Isolation hat sich Myanmar durch die demokratischen Reformen seit 2011 langsam geöffnet. Das hat auch einen Boom in der Textilindustrie ausgelöst. Namhafte deutsche und europäische Konzerne wie Adidas, Aldi, Tchibo, Jack Wolfskin, H&M, GAP und Primark haben angefangen, Waren aus Myanmar zu beziehen. Oxfam fordert die internationalen Einkäufer auf, sicherzustellen, dass Arbeiter in Zulieferfabriken die Möglichkeit haben, höhere Löhne auszuhandeln, Zugang zu Sicherheitsschulungen und Beschwerdemöglichkeiten im Fall von mangelndem Arbeitsschutz haben. Ausbeuterische und unsichere Arbeitsbedingungen sollten beendet werden. Ein erster wichtiger Schritt in diese Richtung wäre mehr Transparenz.

"Viele ausländische Unternehmen, die in Myanmar aktiv sind, halten den Ort ihrer Geschäftsaktivitäten geheim. Dadurch ist es kaum möglich, die Arbeitsbedingungen vor Ort unabhängig zu überprüfen. Die vielen Tragödien in der asiatischen Textilindustrie wie der Zusammensturz des Rana-Plaza-Gebäudes in Bangladesch im April 2013 haben gezeigt, dass es ohne Kontrollen von außen nicht geht", sagte Franziska Humbert, Referentin für Arbeitsrechte bei Oxfam Deutschland.

Sie verweist darauf, dass immer mehr Firmen ihre Produktion in das Billiglohnland Myanmar verlagern. Dies dürfe nicht zulasten der Arbeiter gehen. "Die Unternehmen müssen garantieren, dass die Beschäftigten unter menschenwürdigen Bedingungen arbeiten können."

=> Oxfam: "Made in Myanmar: Entrenched Poverty or decent jobs for Garment Workers?"

Quelle: oxfam.de


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