survival 150Berlin. - Survival International, die globale Bewegung für die Rechte indigener Völker, zeigt sich angesichts schwerer Gesundheitsprobleme indigener Frauen in der Zentralafrikanischen Republik besorgt. Einer Studie der Organisation zufolge werden diese teilweise durch ein vermeintliches Vorzeigeprojekt der deutschen Entwicklungszusammenarbeit verursacht.

In der kürzlich veröffentlichten Studie waren 18 Prozent der untersuchten indigenen Bayaka-Frauen chronisch unterernährt. In der Gruppe von Frauen über 40 müsse man sogar von einer "Gesundheitskrise" sprechen, erklärte eine der Autorinnen der Studie, Melissa Remis.

Die betroffenen Bayaka-Frauen leben in dem Schutzgebiet Dzanga-Sangha, an der Grenze des Dzanga-Ndoki-Nationalparks. Dzanga-Sangha wird in der Studie als einer der Hauptgründe für die schlechte Versorgung der Bayaka-Frauen und ihrer Gemeinden genannt. Die Einrichtung des Schutzgebietes war nur dank jahrelanger Förderung deutscher Entwicklungsorganisationen wie der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) möglich, die bis 2015 über 34 Millionen Euro für das Schutzgebiet zur Verfügung stellte. Noch im vergangenen Jahr besuchte Entwicklungsminister Müller Dzanga-Sangha und betonte den Erfolg des Parks.

Seit der Schaffung des Schutzgebietes gelten für die Bayaka-Gemeinden, die jagen und sammeln um ihre Familien zu ernähren, Einschränkungen in der Nutzung ihres angestammten Landes, so Survival International. Auch der Bestand kleiner Wildtiere, auf die die Bayaka für ihre Versorgung angewiesen sind, sei trotz der Errichtung des Schutzgebietes zurückgegangen.

Die Bayaka selbst müssen andere Arbeiten wie Feldarbeit aufnehmen, um zu überleben. Diese können, laut Survival International jedoch die negativen Auswirkungen durch Dzanga-Sangha nicht auffangen,

Auch die Gleichberechtigung von Mann und Frau, die üblicherweise in den Gemeinden herrsche, leide, weil gemeinsames Jagen und die gemeinsame Kindererziehung kaum noch möglich sind. Survival hat zudem Dutzende Menschenrechtsverletzungen durch Wildhüter aus den letzten zwei Jahrzehnten dokumentiert – darunter Schläge, Folter, Diebstahl und Vertreibung.

"Wenn wir Frauen beim Sammeln von Wildfrüchten oder beim Fischen auf Wildhüter treffen, schlagen sie uns. (…) Was sollen wir tun? Das Projekt hat alles genommen, direkt aus unseren Händen", erklärte eine Bayaka-Frau gegenüber Survival.

Stephen Corry, Direktor von Survival International, sagte: "Gut gemeint ist nicht gut gemacht. Indigene Völker sind als Selbstversorger von ihrer Umwelt abhängig. Sie von ihrem Land zu trennen kommt einem Todesurteil gleich. Der Schutz des Gebietes ist nötig, um Abholzung und illegalen Wildtierhandel zu stoppen, aber bisher scheitert der Naturschutz an diesen Problemen."

Quelle: survivalinternational.de


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