gfbvGöttingen. - Vor den Stichwahlen bei der Präsidentschaftswahl in Mali hat die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) mehr Schutz und Sicherheit für die Zivilbevölkerung im umkämpften Zentrum des Landes gefordert. "Die Gewalt zwischen den ethnischen Gruppen der Peulhs und Dogon eskaliert immer mehr. Wenn die Regierung das Zentrum des Landes zum rechtsfreien Raum werden lässt, wird auch der Bundeswehreinsatz zur Stabilisierung Nord-Malis immer gefährlicher und fragwürdiger", warnte GfbV-Direktor Ulrich Delius am Freitag in Göttingen.

Am kommenden Sonntag findet in Mali mit der Stichwahl die zweite Runde im Präsidentschaftswahlkampf statt. Der bisherige Amtsinhaber Ibrahim Boubacar Keita gilt als großer Favorit.

Die GfbV forderte, Milizen und kriminelle Banden dürften nicht straflos bleiben, wenn sie einzelne Bevölkerungsgruppen allein aufgrund ihrer ethnischen Abstammung verfolgen. Am Donnerstag waren die Leichen von 14 Peulhs gefunden worden, die am Dienstag von Milizionären entführt worden waren. Seit Jahresbeginn wurden 317 Menschen im Konflikt zwischen Peulhs und Dogon getötet.

Für die jüngsten Todesopfer wird eine Miliz der Dogon verantwortlich gemacht, die wiederholt durch Angriffe auf Peulhs auf sich aufmerksam machte. Viele Dogon unterstellen den Peulhs, aus Verärgerung über die Untätigkeit der Regierung in ihrer Region islamistische Gruppen zu unterstützen. "Von dem Streit zwischen den ethnischen Gruppen profitieren nur die Islamisten, da es immer weniger Sicherheit in Mali gibt", warnte Delius.

Erst am 25. Juli waren die Leichen von 17 unbewaffneten Peulhs in der Region gefunden worden. Auch für ihre Ermordung wird eine Miliz der Dogon verantwortlich gemacht. Ende Juni 2018 waren bei einem ähnlichen Zwischenfall in Koumaga 42 Peulhs zu Tode gekommen.

Die Ursachen der Konflikte zwischen den traditionell nomadischen Peulh-Hirten und den Dogon, die als Bauern in Dörfern leben, sind vielfältig. Der Klimawandel und die sich verknappenden Ressourcen von Weide- und Ackerland schüren die Auseinandersetzungen. Auch ein steigendes Bevölkerungswachstum und die allgemeine Perspektivlosigkeit in der von Regierung und Behörden weitgehend ignorierten und vernachlässigten Region lassen die Spannungen wachsen. Islamistische Milizen nutzen die wachsende Unzufriedenheit unter den Peulhs, um dort neue Kämpfer zu rekrutieren.

Quelle: www.gfbv.de 


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