rog logo neuBerlin. - Reporter ohne Grenzen (ROG) hat die jüngsten Versuche der ägyptischen Behörden verurteilt, eine freie Medienberichterstattung zu unterdrücken. Seit Beginn einer Protestwelle am 20. September seien mindestens sechs Journalistinnen und Journalisten festgenommen worden, berichtete die Menschenrechtsorganisation. Zugleich seien weitere Online-Medien zensiert worden, darunter die Website der britischen BBC.

"Ägyptens Regierung muss endlich aufhören, auf jedes Aufflackern von Protest mit neuen Repressionen gegen die Medien zu antworten", sagte ROG-Geschäftsführer Christian Mihr. "Diese Verhaftungen sind nur die neuesten in einer langen Reihe massiver Verletzungen der Pressefreiheit in Ägypten. Allein die seit Jahren erschreckend hohe Zahl inhaftierter Journalistinnen und Journalisten spricht Bände darüber, wie katastrophal es in Ägypten unter Präsident Sisi um die Pressefreiheit steht."

Nach den jüngsten Festnahmen sitzen ROG zufolge in Ägypten derzeit mindestens 31 Medienschaffende wegen ihrer Arbeit im Gefängnis, mehr als beispielsweise in Saudi-Arabien oder Syrien. Auf der Rangliste der Pressefreiheit von Reporter ohne Grenzen steht Ägypten auf Platz 163 von 180 Ländern.

Als eine der ersten Medienschaffenden während der aktuellen Protestwelle wurde laut ROG Engi Abdel Wahab verhaftet, die erst seit wenigen Wochen eine Ausbildung bei der Zeitung Al-Masri al-Jaum begonnen hatte. Sie wurde am 20. September auf dem Tahrir-Platz im Zentrum der Hauptstadt Kairo festgenommen – ebenso wie Omar Hischam, ein Fotograf des Nachrichtenportals Masrawy. Seine Redaktion hat schriftlich bestätigt, dass er zum Tahrir-Platz geschickt worden war, um über die Siegesfeier von Fans des Fußballvereins Al-Ahli zu berichten, der am selben Abend den Super Cup gewonnen hatte, ein jährliches Spitzenspiel des ägyptischen Profi-Fußballs.

Ebenfalls am 20. September wurde der unter seinem Pseudonym Mohamed Oxygen bekannte Blogger erneut verhaftet, so ROG. Er sei erst knapp zwei Monate zuvor nach mehr als fünfzehn Monaten im Gefängnis auf Bewährung freigelassen worden.

Drei im Laufe der vergangenen Woche festgenommene Journalisten wurden nach den Erkenntnissen von ROG bereits einem Richter vorgeführt und in Untersuchungshaft genommen: Nasser Abdel Hafis, ein Reporter der Zeitung Achbar al-Jaum, war am 20. September auf dem Tahrir-Platz in Kairo festgenommen worden. Sajed Abdallah, der für den Fernsehsender Al-Dschasira über die Proteste in Suez berichtete, wurde am Tag darauf zu Hause verhaftet und auf eine Polizeiwache gebracht. Seine Frau veröffentlichte nach der Festnahme ein Video, das ihre bei der Durchsuchung von der Polizei verwüstete Wohnung zeigt. Abdallah hatte auch live auf seiner inzwischen geschlossenen Facebook-Seite über die Proteste berichtet. Chaled Dawud von der Zeitung Al-Ahram wurde am 25. September zu Hause festgenommen.

Wie die Organisation NetBlocks berichtete, wurden in den Tagen seit Beginn der Proteste die App Facebook Messenger sowie die Webseiten der BBC und des von den USA finanzierten Fernsehsenders Al-Hurra in Ägypten blockiert. Auch der Zugriff auf den Kurznachrichtendienst Twitter war immer wieder gestört. Der Präsident der ägyptischen Medienaufsicht bestätigte die Sperrung der BBC-Webseite und begründete sie damit, dass der Sender unwahre Informationen verbreitet habe.

Seit 2017 hat Ägypten mehr als 500 Webseiten blockiert, darunter viele wichtige Nachrichtenportale sowie die Seiten von Menschenrechtsorganisationen.

Quelle: www.reporter-ohne-grenzen.de 


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