germanwatch 150Berlin. - Einen "Meilenstein mit allerdings noch gravierenden Schwächen" sieht die Entwicklungs- und Umweltorganisation Germanwatch im am Freitag verabschiedeten Lieferkettengesetz. Das Gesetz sei ein Paradigmenwechsel für Deutschland, allerdings sei es vom CDU-geführten Wirtschaftsministerium und Teilen der Union an wichtigen Punkten verwässert worden.

"Erstmals werden deutsche Unternehmen verpflichtet, in ihren globalen Geschäften die Menschenrechte zu achten und bestimmte Umweltanforderungen zu erfüllen", sagte Cornelia Heydenreich, Leiterin des Teams Unternehmensverantwortung bei Germanwatch. Sie schränkte allerdings ein: "Das Gesetz ist an entscheidenden Stellen noch schwach: Es gilt für zu wenige Unternehmen und enthält bei den Sorgfaltspflichten zu viele Ausnahmen. Es schafft keinen eigenen Anspruch auf Schadenersatz für Betroffene von Menschenrechtsverletzungen, zudem werden Umweltverschmutzungen in Lieferketten nur vereinzelt erfasst." Hier müsse die nächste Bundesregierung nachbessern, indem sie auf EU-Ebene eine ambitioniertere Regelung vorantreibt.

Vorangegangen war eine jahrelange Debatte, zunächst um die Frage, ob es überhaupt einer Regelung bedarf, dass Unternehmen aktiv menschenrechtliche Risiken in ihren Lieferketten suchen und beseitigen müssen. Bei der folgenden erbitterten Auseinandersetzung um die Ausgestaltung haben das Bundeswirtschaftsministerium und Teile der Union dafür gesorgt, das Gesetz an wichtigen Punkten abzuschwächen. Dennoch betonte Heydenreich: "Auch wenn es noch eine Reihe von Schwächen gibt, hat das Gesetz bei der Durchsetzung durchaus Biss. Es schafft eine behördliche Kontrolle mit Bußgeldern und einem möglichen Ausschluss von öffentlichen Aufträgen." In Umfragen haben 75 Prozent der Bevölkerung ein Lieferkettengesetz befürwortet. "Es ist ein Erfolg eines breiten zivilgesellschaftlichen Bündnisses, dass es nun endlich ein Lieferkettengesetz gibt."

"Wir sehen das deutsche Lieferkettengesetz als einen ersten Schritt", sagte Heydenreich weiter. "Nun muss die nächste Bundesregierung das Gesetz zügig und wirkungsvoll umsetzen. Gleichzeitig muss sich die Bundesregierung auf EU-Ebene für eine umfassendere Regelung einsetzen."

Auf globaler Ebene sollte die nächste Bundesregierung zudem die deutsche G7-Präsidentschaft im kommenden Jahr nutzen, um das Thema voranzubringen und sich auch aktiv für einen Vertrag auf UN-Ebene einsetzen. "Wir von Germanwatch werden gemeinsam mit vielen anderen Organisationen aus der Zivilgesellschaft diese Prozesse in Deutschland, der EU und weltweit konstruktiv und kritisch begleiten."

Germanwatch setzt sich seit langem für ein wirksames Lieferkettengesetz ein und ist Teil der Initiative Lieferkettengesetz, in der sich mehr als 125 Organisationen zusammengeschlossen haben.

Quelle: www.germanwatch.org 


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