haiti_port_au_princePort-au-Prince (epo.de). - Einen Tag nach dem verheerenden Erdbeben in Haiti ist das ganze Ausmaß der Katastrophe noch nicht abzusehen. Präsident René Préval sprach von Tausenden Toten, es sei aber aber zu früh, um konkrete Zahlen zu nennen. Mitarbeiter von Hilfsorganisationen berichteten von teilweise chaotischen Zuständen in dem ärmsten Land der westlichen Hemisphäre. Die internationale Hilfe für die Erdbebenopfer ist unterdessen angelaufen. Auch deutsche Organisationen bereiten eine Ausweitung ihrer Hilfsmaßnahmen vor.

Sophie Perez, die Leiterin des CARE-Büros in Haiti, berichtete an ihre Zentrale in Bonn, es seien zahlreiche Schulen eingestürzt: "Die Kinder waren zu der Zeit noch in der Schule, viele dürften noch unter den Trümmern liegen." Über das Beben schrieb sie: "Es war schrecklich. Es dauerte mehr als eine Minute. Die Menschen schrien, weinten. Viele haben die Nacht draußen verbracht, weil sie Angst hatten, in ihre Häuser zurückzukehren. Und viele Gebäude waren ohnehin zerstört. Außerdem gab es acht Nachbeben."

Perez berichtete weiter, die Hilfe für die Opfer sei angelaufen. "Helikopter sind überall zu hören. Jetzt geht es darum, die Menschen aus den Trümmern zu befreien, sie mit Nahrung und Wasser zu versorgen."

CARE kündigte an, zusätzliche Helfer in die verwüstete Hauptstadt Port-au-Prince zu senden, wo das schwerste Erdbeben seit 200 Jahren tausende Menschen obdachlos gemacht habe. Außerdem sei die Verteilung von Lebensmitteln wie Proteinkeksen aus eigenen Beständen auf Haiti geplant. CARE hat derzeit 133 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in Haiti. Viele von ihnen sind erfahrene Katastrophenhelfer, die schon 2008, nachdem Wirbelsturm Hanna über Haiti hinweg gezogen war, im Einsatz waren.

haitiDas Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) mobilisierte am Mittwoch Ressourcen und Mitarbeiter, um der Katastrophe zu begegnen. "Unsere Möglichkeiten, zu helfen, hängen weitgehend von der Lage in Port-au-Prince ab", sagte der Leiter der IKRK-Delegation in Haiti, Riccardo Conti. "Es ist sehr schwierig, sich in der Stadt zu bewegen, um die Bedürfnisse festzustellen. Sicher ist jedoch, dass das Erdbeben verheerende Folgen für die Bevölkerung hat, die sich noch nicht einmal von den anderen erst jüngst über sie hereingebrochenen Katastrophen erholen konnte."

Das IKRK stellte in Port-au-Prince und in seiner regionalen Basis in Panama Vorräte an Gebrauchsgütern für bis zu 10.000 Familien bereit. Zusätzliche Mitarbeiter werden so schnell wie möglich vor Ort entsandt. Das IKRK will in erster Linie medizinische Hilfe für die Überlebenden bereitstellen und dabei helfen, die bei der Katastrophe Getöteten zu bergen und zu identifizieren. Derzeit verfügt das IKRK über neun entsandte Kräfte und 59 lokale Angestellte.

Die Hilfsorganisation World Vision bereitet sich auf einen größeren Katastropheneinsatz in Haiti vor. Nach dem Erdbeben der Stärke 7,0 auf der Richterskala meldeten World Vision-Mitarbeiter aus der Hauptstadt Port-au-Prince heftige Zerstörungen. "Öffentliche Gebäude und Privathäuser sind zusammengefallen, Dächer und Hauswände sind auf die Straßen gestürzt", schrieb Frank Williams, der Landesdirektor von World Vision Haiti.

Das Zentrum der Stadt sowie die umliegenden dicht besiedelten Gebiete wurden offenbar stark getroffen. Aus Angst vor Nachbeben haben viele Menschen die Nacht im Freien verbracht. Die Kommunikationsnetze sind weitgehend zusammengebrochen. Trümmer blockieren Straßen und Transportwege. Das ganze Ausmaß der Katastrophe ist allerdings noch nicht abzuschätzen. "Ein Erdbeben dieses Ausmaßes ist überall in der Welt katastrophal, aber in Haiti trifft es die Menschen besonders hart", erklärte Christoph Waffenschmidt, Vorstandsvorsitzender von World Vision Deutschland. Haiti ist eines der ärmsten Länder der Welt. Viele Familien leben ohnehin am oder unter dem Existenzminimum.

World Vision engagiert sich in Haiti mit rund 370 einheimschen Mitarbeitern in 20 langfristigen Regional-Entwicklungsprojekten. Hauptbereiche der Entwicklungszusammenarbeit sind Gesundheit, Bildung, Einkommen schaffende Maßnahmen und spezielle Programme zur Ernährungssicherung, zur nachhaltigen Landwirtschaft und zur Bekämpfung von HIV / AIDS.

Ein vierköpfiges medizinisches Team der Malteser startet am Donnerstag vom Düsseldorfer International Airport nach Haiti. Zu der von Georg Nothelle, dem Nothilfe-Koordinator von Malteser International, geleiteten Expertengruppe gehören zwei Ärzte und ein Rettungsdienstfachmann. Auch französische und US-amerikanische Helfer der Malteser seien einsatzbereit, berichtete die Organisation.

HelpAge Deutschland unterstützt zusammen mit seinem internationalen Netzwerk Katastrophenopfer in Haiti mit einer Soforthilfe von 60.000 Euro. Die Organisation will innerhalb der nächsten 24 Stunden ein Hilfsteam entsenden und ist inbesondere um ältere Menschen besorgt. "Nach unseren Erfahrungen werden gerade alte Menschen bei den Hilfsmaßnahmen nach Katastrophen oftmals übersehen. Sie sind weniger mobil, körperlich schwächer und haben größere gesundheitliche Probleme", sagte Michael Bünte, Geschäftsführer von HelpAge Deutschland.

Handicap International stellte 150.000 Euro für die Versorgung von Verletzten zur Verfügung. Die lokalen Teams von Handicap International mit etwa 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zeigten sich schockiert vom Ausmaß der Katastrophe. In Zusammenarbeit mit dem Welternährungsprogramm (WFP) koordiniert Handicap seit über einem Jahr eine logistische Plattform zur Nahrungsmittelverteilung in Haiti. Durch das bestehende Programm können nun schnellstmöglich Lebensmittel und andere Hilfsmittel verteilt und die Verletzten versorgt werden. Handicap will zusätzlich zu den bereits vor Ort befindlichen Teams zehn Physiotherapeuten und Logistiker entsenden, die bei der Notversorgung in den Krankenhäusern oder in schnell errichteten Krankenstationen helfen können.

"Die haitianische Administration ist komplett überfordert. Internationale Solidarität ist jetzt dringend erforderlich“, sagte Peter Mucke, Geschäftsführer des Bündnisses Entwicklung Hilft. In Haiti seien Hunderttausende Menschen dringend auf Hilfe angewiesen. Das Beben der Stärke 7,0 auf der Richter-Skala, das heftigste seit 1770, habe weite Teile der Hauptstadt Port-au-Prince zerstört. Unzählige Gebäude seien eingestürzt. Vorsichtige Schätzungen gingen von mehreren Hundert Toten aus. Es mangele an Krankenbetten und Medikamenten.

Hintergrund und weitere Berichte von NGOs:


Back to Top
Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Ok