dedBerlin. - Frühere Mitarbeiter des Deutschen Entwicklungsdienstes (DED), der im vergangenen Jahr in der Deutschen Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ) aufgegangen ist, wollen einen neuen Entwicklungsdienst gründen. Sie werfen Entwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) einen "schwerwiegenden strategischen Fehler" vor. Nach der Fusion zur GIZ - einem Apparat von mehr als 17.000 Mitarbeitern - könnten Entwicklungshelfer nicht mehr im Sinne des aus dem Jahre 1969 stammenden Entwicklungshelfer-Gesetzes (EhfG) und des Mottos "Lernen und Helfen" arbeiten.

Der DED-Freundeskreis, ein 2007 gegründeter Zusammenschluss früherer DED-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter, wendet sich mit einem Aufruf (www.ded-freundeskreis.de), der zum diesjährigen "Internationalen Tag der Freiwilligen" am 5. Dezember veröffentlicht wird, an interessierte Einzelpersonen, Organisationen und politische Entscheidungsträger, um sie für das Konzept des "Lernens und Helfens" zu gewinnen.

Mit der Zusammenlegung verschiedener Entwicklungs-Organisationen (GTZ, DED und InWEnt), die vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) finanziert wurden, sei ein wichtiger Teil des Instrumentariums deutscher Entwicklungshilfe weggebrochen, argumentiert der DED-Freundeskreis. Dabei sei bei den staatlichen deutschen Organisationen im Bereich der Entwicklung der Kerngedanke des DED - "Lernen und Helfen" in den Ländern der sogenannten Dritten Welt - verloren gegangen.

"Wir rufen zur Gründung eines neuen deutschen Entwicklungsdienstes auf, der gemeinsam vom Staat und von der Zivilgesellschaft getragen wird", heißt es in der Erklärung. Ein solcher Entwicklungsdienst müsse die veränderten Lebensbedingungen in den Entwicklungsländern, die globalen Probleme und die aktuellen Nord-Süd-Beziehungen widerspiegeln.

Und weiter heißt es in dem Aufruf: "Die GIZ versteht sich als ein weltweit tätiges Unternehmen der Entwicklungszusammenarbeit und verfolgt eine deutliche Wachstumsstrategie. Die DED-Zielsetzung des partnerschaftlichen Lernens und Helfens ist verschwunden. Wir, der DED-Freundeskreis, ein Zusammenschluss ehemaliger Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des DED, halten es für einen schwerwiegenden Fehler, dass der einzige deutsche staatliche Entwicklungsdienst aufgelöst wurde."

Der Aufruf soll auch auf einem Treffen vom 24. bis 26. Mai 2013 in Werbellin diskutiert werden. Zu der Veranstaltung haben sich nach Angaben des DED-Freundeskreises bereits mehr als fünfhundert Interessierte angemeldet. Für die Organisation zeichnet die Berliner Initiativgruppe "ded50" (www.ded50.de) mit Unterstützung des DED-Freundeskreises verantwortlich. Die Veranstaltung unter dem Motto "DED: gestern - heute - morgen" findet 50 Jahre nach der Gründung des DED im Jahre 1963 statt, an der auch der damalige amerikanische Präsident John F. Kennedy teilnahm.

Der Freundeskreis betont, dass es nicht um eine einfache Wiederbelebung des DED gehe. Es gelte aber weiterhin das Entwicklungshelfer-Gesetz, das die Arbeit in Ländern der sogenannten Dritten Welt nicht als Erwerbsarbeit, sondern als Dienst "ohne Erwerbsabsicht" definiere. Dieses Konzept lasse sich wegen der unterschiedlichen Arbeitsansätze in der neu geschaffenen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) mit ihren 17.000 Mitarbeitern in über 130 Ländern nicht gleichzeitig und gleichberechtigt umsetzen.

"In diesem neuen Dienst", so formuliert der Freundeskreis, "müssen die Grundsätze eines Fachdienstes bewahrt sein, in dem entwicklungspolitisch motivierte und solidarisch engagierte Menschen mitarbeiten. Eine zivilgesellschaftliche Beteiligung - zum Beispiel von Sozialverbänden, Gewerkschaften, Jugendverbänden, Industrie- und Handelskammern, Kirchen oder entwicklungspolitischen Nichtregierungsorganisationen - ist zur Verankerung in der eigenen Gesellschaft unverzichtbar." Außerdem regt der Freundeskreis zusätzliche Instrumente wie Patenschaften von Unternehmen und Verbänden an.

Erhard Eppler (SPD), Entwicklungsminister von 1968 bis 1974, erklärte zur Initiative des Freundeskreises: "Ich wundere mich nicht darüber, dass das, was der DED war und sein wollte, die Eingliederung in die GIZ nicht überlebt hat. Vielleicht gelingt der Neuanfang in einer veränderten Welt."

www.ded-freundeskreis.de

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