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Wien. - Indien ist das Land mit der weltweit zweitgrößten Schuhproduktion nach China – allein im Jahr 2015 produzierte das Land über 2,2 Mrd. Paar Schuhe. In einer neuen Studie hat die Clean Clothes Kampagne am Mittwoch die menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen in der indischen Lederschuherzeugung vorgestellt. Die Studie "Auf der Stelle (ge)treten" basiert auf der Befragung von Beschäftigten mehrerer Schuh- und Lederfabriken in Ambur in Südindien und Agra in Nordindien.

"Die Erzählungen der Arbeiterinnen und Arbeiter zeichnen ein erschreckendes Bild des Arbeitsalltags in der indischen Schuh- und Lederproduktion", zeigt sich Gertrude Klaffenböck von der Clean Clothes Kampagne betroffen. Die Befragten berichten von Löhnen weit unter dem Existenzminimum, von erzwungenen Überstunden, unzureichendem Schutz vor Gesundheits- und Sicherheitsrisiken, Verbot von Gewerkschaften und Diskriminierung aufgrund von Geschlechts- oder Kastenzugehörigkeit. 

Kamakshi, Beschäftigte in einer Schuhfabriken in Ambur, Indien, erzählt im Interview: "Durch das Arbeiten im Stehen leiden viele von uns an Arthritis und Gelenkschmerzen. Der Gestank des Leders und der Chemikalien in der Fabrik macht uns oft benommen und appetitlos, selbst nach einem langen Arbeitstag. Arbeitsunfälle sind keine Seltenheit. Möglichkeiten sich zu beschweren gibt es nicht."

In Indien sind mehr als eine Million Menschen in der Schuhindustrie beschäftigt, in der Lederindustrie insgesamt über 2,5 Millionen. Dabei sind Lederschuhe bei weitem das bedeutendste Produkt der indischen Schuhindustrie, sowohl in der Produktion als auch im Export. "Die meisten Exporte gehen nach Europa. Wer also wissen will, unter welchen sozialen und ökologischen Bedingungen die Lederschuhe hergestellt werden, die in Europa getragen werden, muss zunächst nach Indien blicken", so Lisa Kernegger von GLOBAL 2000.

Trotz der weitreichenden Arbeitsgesetzgebung nehmen die prekären Arbeitsverhältnisse in Indien zu. Die Daten der letzten 25 Jahre zeigen, dass die Löhne kaum mit der Inflation mithalten konnten. Keine der für die Studie befragten ArbeiterInnen verdient einen existenzsichernden Lohn. "Internationale Markenunternehmen, die ihre Schuhe in indischen Fabriken produzieren lassen, müssen ihrer Verantwortung gerecht werden und dringend sicherstellen, dass sie ihre Profite nicht weiterhin auf Kosten der Menschen erzielen, die am entferntesten Ende der Wertschöpfungskette stehen", fordert Klaffenböck.

Dass faire Produktionsstandards und Transparenz möglich sind, zeigt das Österreichische Umweltzeichen für Schuhe. Das Gütesiegel fordert die Bezahlung von Existenzlöhnen und verbietet die Verwendung von Chrom gegerbtem Leder. Die Kriterien folgen einem ganzheitlichen Ansatz von der Herkunft der Ausgangsmaterialien bis hin zur Endfertigung.

Foto: (c) Südwind

Quelle: cleanclothes.at


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