gfbv 200Göttingen. - Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) hat der Regierung des Südsudan am Dienstag vorgeworfen, mit der Festnahme des Intendanten des staatlichen Fernsehsenders "South Sudan Broadcasting Corporation (SSBC)" und Schikanen gegen andere Journalisten die Pressefreiheit massiv verletzt zu haben.

Nachdrücklich forderte die Menschenrechtsorganisation die sofortige Freilassung von Adil Faris Mayat, der seit dem 10. Juli 2017 im Gewahrsam des Staatssicherheitsdienstes festgehalten wird. Ihm wird zur Last gelegt, die Ansprache von Staatspräsident Salva Kiir zum Unabhängigkeitstag des Südsudan nicht live im Fernsehen übertragen zu haben. "Der absurde Vorwurf gegen den Fernseh-Intendanten macht deutlich, wie schlecht es um Bürgerrechte im Südsudan steht und wie machtbesessen und ruchlos seine politische Führung ist", erklärte der GfbV-Direktor Ulrich Delius.

"Die Pressefreiheit wird im Südsudan immer weiter eingeschränkt", kritisierte Delius. "Innerhalb weniger Monate ist das Land in der weltweiten Medienfreiheits-Liste von Platz 140 noch weiter auf Platz 145 von 180 Staaten abgerutscht. Mit großer Besorgnis verfolgen wir, wie sowohl inländische als auch ausländische Journalisten systematisch eingeschüchtert und in ihrer Arbeit behindert werden." Am Montag wurden Webseiten und Blogs von "Radio Tamazuj" und "Sudan Tribune" von der südsudanesischen Medienbehörde "South Sudan National Communication Authority" teilweise blockiert, berichteten Nutzer. Die beiden kritischen Medien berichten aus den Niederlanden und Frankreich über den Südsudan.

Mehr als ein Dutzend einheimische Journalisten sind bereits aus Angst um ihr Leben aus dem Südsudan geflohen, berichtete die GfbV. Andere wurden willkürlich inhaftiert und zum Teil jahrelang ohne reguläres Gerichtsverfahren festgehalten. So kam im Mai 2017 der Journalist George Livio Bahara des von den Vereinten Nationen betriebenen "Radio Miraya" nach zweieinhalb Jahren Gefängnis und unzähligen internationalen Appellen für seine Freilassung aus der Haft. Er war beschuldigt worden, Kontakte zu bewaffneten Rebellen gehabt zu haben. Der Journalist Malek Bol musste für seine kritische Berichterstattung sogar sterben. Er wurde im Oktober 2016 entführt. Wenige Tage später fand man seine Leiche, die Folterspuren aufwies.  

Drei US-amerikanische Journalisten sind Ende Juni 2017 wegen Visa-Vergehen ausgewiesen worden. Den Südsudan verlassen musste im Dezember 2016 auch der Reporter der Nachrichtenagentur "Associated Press", Justin Lynch. Er hatte kritisch über die eskalierende Menschenrechtslage berichtet. Der arabische Fernsehsender Al Jazeera musste seine Arbeit im Mai 2017 nach einem Bericht über den Bürgerkrieg einstellen. Im Frühjahr 2017 war 20 ausländischen Journalisten die Arbeit zeitweilig von der Medienbehörde verboten worden. Nach Protesten im In- und Ausland wurde dieses Verbot am 23. Juni 2017 aufgehoben.

Quelle: gfbv.de


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