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idsnNeu Delhi. - Es gibt schätzungsweise 260 Millionen Dalits weltweit, die als "Unberührbare" ins hinduistische Kastensystem geboren wurden. Kastensysteme existieren in Süd-Asien, den Ländern Indien, Sri Lanka, Pakistan, Bangladesch und Nepal und in Diaspora Gemeinden weltweit. Gewalt und andere Verbrechen gegen Dalits sind weit verbreitet und bleiben oft straflos. Wo besondere Gesetzgebung existiert, um Dalits zu schützen, fehlt es nach Angaben der Menschenrechtsorganisation International Dalit Solidarity Network, an der Umsetzung.

In Indien ist Kastendiskriminierung ein hoch sensibles und politisiertes Thema. Trotz verfassungsmäßig gewährter Rechte und besonderen Gesetzen zum Schutz der mehr als 201 Millionen "scheduled castes" (die offizielle Bezeichnung für Dalits) bestehen weiterhin massive Verletzungen ihrer grundlegenden Menschenrechte. Die weitverbreitete Diskriminierung und Gewaltverbrechen gegen Dalits und die Straflosigkeit für die Täter stehen im krassen Gegensatz zu Indiens Imgage als größter Demokratie der Welt.

In der Volkszählung 2011 wurden 201 Millionen (16 Prozent der Gesamtbevölkerung) Einwohner Indiens als Dalits identifiziert. Als Dalits gelten Hindus, die in diese Kaste hineingeboren wurden aber auch Anhänger anderer Religionen wie Sikhs und Buddhisten. Christen und Muslime, die strenggläubigen Hindus ebenfalls als "unberührbar" gelten, sind in dieser Zahl allerdings nicht enthalten.

Dalits sind mehreren Formen der Diskriminierung ausgesetzt, darunter vor allem Zwangsarbeit und Einschränkung der politischen Partizipation. Ganz unten in der Hierarchieordnung Südasiens stehen arme Dalit-Frauen. Sie leiden unter mehrfacher Diskriminierung - als Dalits, als Mitglieder einer verarmten Unterschicht und als Frauen. Die schwerwiegende Gender- und Kastendiskriminierung ist das Ergebnis der sehr ungleichen und ungerechten sozialen, wirtschaftlichen und politischen Machtverteilung in Indien. In dem neu erschienen Bericht Dalit Women Fight vom International Dalit Solidarity Network (IDSN) wird hervorgehoben, wie sehr die Kastenstrukturen noch immer das Leben in Indien bestimmen und wie wenig dagegen unternommen wird.

Ein großer Anteil der indischen Dalit-Frauen sind Beschimpfungen, körperlichen Übergriffen, sexueller Belästigung und Gewalt ausgesetzt. Hinzu kommt eine besondere Form der Zwangsprostitution: Junge Dalit-Mädchen werden systematisch in Tempeln als Prostituierte für Männer aus "höheren" Kasten sexuell missbraucht. Nach Angaben von UNICEF und Human Rights Watch ist die Schulabbruchrate von Dalit-Mädchen höher als der nationale Durchschnitt. Diskriminierung und Ausgrenzung in der Schule nehmen ihnen nicht nur Perspektiven, sondern tragen auch noch dazu bei, dass sie Opfer von Kinderarbeit und Ausbeutung werden.

Laut Dalit-Menschenrechtsgruppen, dienen Gewalt und unmenschliche Behandlung, wie sexuelle Nötigung und Vergewaltigung als sozialer Mechanismus um die untergeordnete Stellung der Dalit-Frauen in der Gesellschaft zu erhalten. Sie werden auch als eine Möglichkeit genutzt, um die gesamte Dalit-Gemeinde zu demütigen. Auch die Vereinten Nationen bestätigen in ihrem Menschenrechtsbericht von 2012: "Sexuelle Gewalt gegen Dalit Frauen wird systematisch benutzt, um den Status- quo der Dalits Diskriminierung und Unterdrückung aufrecht zu erhalten."

Laut IDSN, haben Dalit-Frauen nur einen sehr eingeschränkten Zugang zu rechtlichem Schutz. in Fällen, in denen der Täter Mitglied einer höheren Kaste ist, bleibt Straflosigkeit weitverbreitet. Dalit-Frauen seien daher leichte Ziele für sexuelle Gewalt und andere Verbrechen, da die Täter fast straflos entkommen. Studien zeigen, dass die Verurteilungsrate für Vergewaltigungen gegen Dalit-Frauen in Indienim Vergleich zu einer Verurteilung in Fällen von Vergewaltigung von Frauen aus anderen Kasten sehr viel niedriger ist. Dazu muss gesagt werden, dass die Zahl der Verurteilungen und Anzeigen in Vergewaltigungsfällen generell sehr niedrig ist. Im Indien Bericht des UN-Ausschuss für die Beseitigung von Diskriminierung der Frau 2013 hat die Menschenrechtsorganisation Minority Rights Group International festgestellt, dass Vergewaltiger aus dominanten Kasten, die der Vergewaltigung einer Dalit-Frau beschuldigt werden, in der Mehrzahl der Fälle entweder erst gar nicht verhaftet oder ihre Festnahme deutlich verzögert wird. In Fällen, in denen sie verhaftet werden, werden sie oft auf Kaution freigelassen. Im Bericht 2014 "Justice on Trial" der National Campaign on Dalit Human Rights wird außerdem hervorgehoben, dass Straflosigkeit in den Fällen zunehme, in denen Dalits die Opfer sind.

Indische Regierungsstellen reagieren auf die internationale Aufmerksamkeit auf Kastendiskriminierung, nach Angaben des IDSN dadurch, dass sie sie zur "internen Angelegenheit" oder "Familienangelegenheit" erklären. Die Vereinten Nationen bräuchten sich damit nicht zu beschäftigen, da ausreichende Verfassungs-und Rechtsschutzmechanismen vorhanden seien. Doch eine wachsende Zahl von Ländern und UN-Beamten gäben sich damit nicht zufrieden und forderten eine bessere Umsetzung der Gesetze sowie eine angemessene Strafverfolgung.

Quelle: idsn.org | endcaste.com


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