KFSKBerlin (epo). - Ein halbes Jahr nach dem Einsturz der Fabrik Spectrum Sweaters in Savar/Bangladesch zieht die "Kampagne für Saubere Kleidung" eine traurige Bilanz: Die Katastrophe vom 11. April 2005 forderte 64 Tote und 74 Schwerverletzte. Auch die deutschen Modekonzerne Karstadt/Quelle, Steilmann, Bluhmod, Kirsten Mode und New Yorker bezogen nach Angaben der Kampagne bei Spectrum Sweaters ihre Produkte.

"Die europäischen Unternehmen haben es versäumt Sicherheits- und Sozialstandards in der Textilfabrik umzusetzen", erklärte Evelyn Bahn von der Kampagne für Saubere Kleidung. Sie forderte die Konzerne auf, endlich Verantwortung zu übernehmen: "Für die 64 getöteten Arbeiter kommt jede Hilfe zu spät. Doch jetzt müssen die Unternehmen handeln und die Verletzten und Angehörigen der getöteten Arbeiter entschädigen."

Viele Familien seien in Folge des Unglücks obdachlos geworden, berichtet die Kampagne. Auf Grund des fehlenden Einkommens seien sie nicht in der Lage, ihre Miete und das Schulgeld für ihre Kinder zu bezahlen. In den vergangenen Monaten hatte die Kampagne für Saubere Kleidung wiederholt auf die verzweifelte Situation der Opfer von Savar aufmerksam gemacht. Der von Konzernen versprochene Hilfsfonds sei auch ein halbes Jahr nach der Katastrophe leer.

Um die Preise für Textilien zu drücken, tolerierten europäische Unternehmen lebensgefährliche Arbeitsbedingungen, lautet der Vorwurf der Kampagne an die Konzerne. Dies belege auch ein aktueller Bericht der ARD Politsendung MONITOR vom 13. Oktober. Der Report zeigte Bilder der Unglücksstelle in Savar, und die Textilarbeiterin Rina Begum berichtete über die menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen in den Textilfabriken.

Vom 11. bis 30. Oktober findet eine Rundreise mit zwei Textilarbeiterinnen aus Bangladesch in 12 Deutschen Städten statt. Shahida Sarker arbeitet für die National Germent Workers Organisation (NGWF) und berichtet über die Hintergründe der Spectrum-Katastrophe. Rina Begum arbeitete in einer Nähfabrik, die unter anderem für den Textildiscounter Tchibo produziert.

Die Kampagne für Saubere Kleidung ist ein Zusammenschluss von 18 Trägerorganisationen aus dem entwicklungspolitischen, gewerkschaftlichen und kirchlichen Bereich in Deutschland. Seit 1996 setzt sich die Kampagne für menschenwürdige Arbeitsbedingungen in der Textilproduktion ein. Auf internationaler Ebene engagiert sich die Clean Clothes Campaign (CCC) seit 1990 zusammen mit ihren PartnerInnen im Süden und Osten für "saubere" Kleidung.

Kampagne für Saubere Kleidung


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