Hungernde Fl?chtlinge in Darfur, SudanAachen/Köln (epo). - Die Menschenrechtsorganisation FIAN und das katholische Hilfswerk Misereor werfen der internationalen Staatengemeinschaft ein "erlahmendes Engagement in der Hungerbekämpfung" vor. "Die Anzahl der Hungernden ist in den letzten Jahren nicht gesunken, sondern auf den Höchststand von 852 Millionen angestiegen", erklärten die beiden Organisationen am Freitag anlässlich des Welternährungstags am 16. Oktober. Von der neuen deutschen Bundesregierung forderten die NRO, sie müsse bei der Hungerbekämpfung "Fakten schaffen".

"Die internationale Gemeinschaft konnte sich auf dem jüngsten UN-Gipfel zur Überprüfung der Millenniumsziele (MDG) in New York nicht zu neuen Initiativen durchringen", kritisierte Ulrike Bickel, Menschenrechts-Referentin von Misereor. "Auch ist bezeichnend, dass die Welternährungsorganisation FAO zum Welternährungstag lediglich zum interkulturellen Dialog aufruft, ohne konkrete Maßnahmen zu präsentieren", so Bickel.

FIAN und Misereor forderten die die künftige Große Koalition von CDU und SPD auf, als Bundesregierung eine Vorreiterrolle im Einsatz für das Menschenrecht auf Nahrung zu übernehmen. Vor den Wahlen hatten beide Parteien versprochen, sich verstärkt für das Recht auf Nahrung und umverteilende Landreformen einzusetzen. Die SPD hatte eine Erhöhung des Entwicklungshilfe-Budgets für den Bereich ländliche Entwicklung angekündigt, die CDU dies wiederholt von der rot-grünen Koalition gefordert.

"Jetzt müssen SPD und CDU Fakten schaffen. Wir erwarten, dass der verstärkte Einsatz für das Recht auf Nahrung und Landreformen im Koalitionsvertrag festgeschrieben wird", forderte Agrarexperte Armin Paasch von FIAN Deutschland. Die Hälfte aller Hungernden seien Kleinbauern, ein weiteres Viertel Landlose. "Wenn die neue Bundesregierung den Hunger effektiv bekämpfen will, muss sie vor allem Landlose und Kleinbauern unterstützen und dafür die Ausgaben für ländliche Entwicklungszusammenarbeit signifikant erhöhen", betonte Paasch.

Mit großer Sorge beobachten die Organisationen die Absicht der CDU, die so genannte "Grüne Gentechnik" in Entwicklungsländern weiter zu verbreiten. "Der Einsatz der Gentechnik wird den Hunger nicht reduzieren, sondern die Abhängigkeit der Kleinbauernfamilien von teuren, patentgeschützten Technologien der internationalen Saatgutkonzerne erhöhen", warnte Ulrike Bickel. "Die zahlreichen Selbstmorde indischer Kleinbauern infolge des Fiaskos beim Anbau genveränderter Baumwolle sind ein drastisches Beispiel. Der Export genmanipulierter Agrarüberschüsse als Nahrungsmittelhilfe bei Hungerkrisen in Afrika und Irak ist ein weiterer Skandal, der das Wahlrecht der Hungernden missachtet und ihnen durch die Hintertür eine riskante Technologie aufzwingt."

FIAN und Misereor forderten die Bundesregierung auf, keinerlei Initiativen zur Verbreitung der Gentechnik in Entwicklungsländern zu unterstützen und das Importverbotsrecht nach dem Cartagena-Protokoll zur Biosicherheit zu respektieren. "Die Risikoforschung hat erwiesen, dass eine unkontrollierte Auskreuzung genveränderter Organismen in Wildpflanzen nicht verhindert werden kann. So haben z.B. in Argentinien zunehmende Herbizidresistenzen bei Wildkräutern bereits wachsenden Gifteinsatz zur Folge", so Bickel.

Einen Kurswechsel fordern FIAN und Misereor auch in der Agrarhandelspolitik. Ein neues Agrarabkommen im Rahmen der Welthandelsorganisation WTO dürfe Entwicklungsländer nicht zur weiteren Öffnung ihrer Agrarmärkte zwingen. "Lokale Märkte in Entwicklungsländern dürfen nicht mit unfairen Billigexporten der EU und USA überflutet werden", forderte Armin Paasch.

"Bessere Schutzmöglichkeiten für Kleinbauern in Entwicklungsländern und die sofortige Abschaffung von Agrarexportsubventionen und anderen Formen des Dumping muss absolute Priorität haben", sagte Paasch mit Hinblick auf die Sitzung des allgemeinen Rats der WTO in Genf in der kommenden Woche. Hier sei die alte Regierung noch gefragt. "Deutschland darf sich an einem Kuhhandel auf Kosten der Hungernden nicht beteiligen".

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