Sumangali Unterschriftenübergabe 720

Wien. - 35.000 Unterschriften, mit denen sich Österreicherinnen und Österreicher für ein Verbot der Ausbeutung von Frauen und Mädchen in südindischen Baumwollspinnereien ausgesprochen haben, sind vom Leiter der Menschenrechts- und kfb-Partnerorganisation  "Vaan Muhil", Arockiasamy Britto, an den Arbeitsminister des Bundesstaates Tamil Nadu übergeben worden.

Die Unterschriften sind das Ergebnis einer Petition, mit der im Frühjahr 2014 die Aktion Familienfasttag der Katholischen Frauenbewegung Österreichs (kfbö) gemeinsam mit der Clean Clothes Kampagne und weiteren  KooperationspartnerInnen  (ÖGB, Katholische ArbeitnehmerInnenbewegung, Frauensolidarität, weltumspannend arbeiten, Dreikönigsaktion, Welthaus Graz und Linz) gegen das "Sumangali-Scheme" in Tamil Nadu mobilisiert haben.

Bei dem "Scheme" geht es um Arbeitsverträge, die Mädchen und jungen Frauen versprechen, sich eine Mitgift und damit den Status einer „Sumangali“, einer "glücklich verheirateten Frau", erwirtschaften zu können. Tatsächlich manövrieren sie die Betroffenen aber in ausbeuterische Beschäftigungsverhältnisse. "Es ist uns gelungen, im Zuge der Übergabe mit dem Arbeitsminister ausführlich zu sprechen", so Menschenrechtsaktivist Britto, "er hat sämtliche Anliegen unsererseits positiv aufgenommen". In einem Schreiben  an die Katholische Frauenbewegung Österreichs und ihre KooperationspartnerInnen dankt Britto  für die Unterstützung aus Österreich:"Wir profitieren so sehr von diesen Unterschriften".

Rund 200.000 Frauen und Mädchen waren zum Zeitpunkt des Starts der Petition Opfer des "Sumangali-Schemes" in Südindien. Die Betroffenen arbeiten, ständig überwacht, 7 Tage die Woche in 12-Stunden-Schichten, werden gering bis gar nicht entlohnt, nur notdürftig medizinisch versorgt, sind Demütigungen und Gewalt ausgesetzt.

In Indien selbst gibt es dagegen nur wenig Protest aus der Zivilgesellschaft oder von staatlichen Instanzen. Ihnen sind laut der Menschenrechtsorganisation "Vaan Muhil" die Interessen der Unternehmen wichtiger als die Rechte der ArbeiterInnen. Mit den Garnen aus den Spinnereien, in denen die Mädchen und Frauen schuften, wird eine Vielzahl von Modelabels auf dem europäischen und internationalen Bekleidungsmarkt versorgt.

In der Petition, die dem Arbeitsminister von Tamil Nadu nun übergeben wurde, wird die Regierung des Bundesstaates aufgefordert, für eine kontinuierliche Überwachung der Situation in Textilfabriken und Spinnereien zu sorgen, die aktuelle Gesetzeslage hinsichtlich der Anstellung von Mädchen als Lehrlinge umzusetzen, sicherzustellen, dass Arbeiterinnen über 18 Jahre in geregelte Anstellungsverhältnisse übernommen werden und Kinderarbeit verhindert wird.

Der Arbeitsminister, P. Mohan, gab im Gespräch mit Aktivist Britto allerdings zu bedenken, dass die Bereitwilligkeit vieler Eltern, ihre Töchter in die Fabriken zu schicken, es der Regierung schwer mache, einzuschreiten.  Einen Beitrag zur Aufklärung schafft in diesem Zusammenhang auch eine kritische Medienberichterstattung in Tamil Nadu, die im Fall der Unterschriftenübergabe deutlich zu registrieren war.

=> Flawed Fabrics: The abuse of girls and women workers in the South Indian textile industry

Foto: Vaan Muhil, Katholische Frauenbewegung

Quelle: cleanclothes.at | teilen.at


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