haiti 330Berlin. - Sieben Jahre nach dem Erdbeben und 100 Tage nach Hurrikan Matthew ist die humanitäre Situation in Haiti weiterhin verheerend. Der Hurrikan hatte im Oktober des vergangenen Jahres hunderte Menschen das Leben gekostet. Fast eine Million Menschen müssen bis heute in zerstörten Häusern leben. Darauf hat die Diakonie Katastrophenhilfe am Mittwoch aufmerksam gemacht.

Auch die Versorgung mit Nahrungsmitteln ist schlecht und die Lage könnte sich in den kommenden Wochen zuspitzen. „Im Süden Haitis sind nahezu 100 Prozent der Ernten durch den Sturm zerstört worden“, sagte Sylvie Savard, Nothilfe-Koordinatorin der Diakonie Katastrophenhilfe in Haiti. „Vor dem Hurrikan gab es eine lang anhaltende Dürre, die schon zu großen Ernte-Einbußen geführt hat. Deshalb ist die Nahrungsmittelversorgung weiterhin ein großes Problem. Wir befürchten eine Hunger-Krise“, so Savard weiter.

Haiti gilt als das ärmste Land Lateinamerikas, was seine Bevölkerung besonders verletzlich durch Naturkatastrophen macht. Gleichzeitig ist das Land häufig von Katastrophen betroffen. Das Erdbeben, das sich am 12. Januar zum siebten Mal jährt, hat fast 250.000 Menschen das Leben gekostet und große Teile der Infrastruktur zerstört. Nach dem Erdbeben wurde zwar in die Infrastruktur investiert, aber quasi vom Nullpunkt aus, was keine Wunder erwarten lassen kann. Gerade die Regionen, die jetzt vom Hurrikan getroffen worden sind, profitierten nicht vom Wiederaufbau, da sie vom damaligen Beben wenig betroffen waren. Durch den Tropensturm sind Straßen und Brücken zerstört worden, teilweise waren Gebiete im Westen des Inselstaats komplett abgeschnitten. Hilfe konnte nur mit dem Helikopter zu den Menschen gebracht werden. Die Diakonie Katastrophenhilfe war mit ihren lokalen Partnern schon vor dem Erdbeben aktiv und ist es auch danach bis heute geblieben. Unmittelbar nach dem Hurrikan konnte sie darum Menschen mit Planen, Decken und sauberem Trinkwasser versorgen.

"Nach der Katastrophe 2010 haben wir ein Warenlager eingerichtet, um in Notfällen schnell reagieren zu können. Das, sowie die langjährigen Partner und gute Ortskenntnisse, hat sich jetzt bewährt“, sagt Martin Keßler, Leiter der Diakonie Katastrophenhilfe. "Der nächste Schritt muss nun sein, der Bevölkerung dabei zu helfen, ihre Lebensgrundlagen wieder herzustellen. Deshalb verteilt die Diakonie Katastrophenhilfe Saatgut und landwirtschaftliche Geräte und schult die Bevölkerung in nachhaltiger Landwirtschaft, damit ihre Situation besser wird als vor dem Sturm. Rund 50.000 Menschen kann dadurch nicht nur schnell, sondern hoffentlich langfristig geholfen werden", so Keßler.

Humanitäre Arbeit muss immer, ganz besonders aber in so katastrophenanfälligen Gebieten wie Haiti, auf eine nachhaltige Verbesserung der Situation und Prävention abzielen. "Nach dem Erdbeben haben wir seinerzeit unter anderem geholfen, Schulen und Häuser erdbebensicher wiederaufzubauen. Diese stabilen Häuser haben während Hurrikan Matthew vielen Familien und ihren Nachbarn Schutz geboten. Die Menschen, die dort leben, haben anders als nach dem Erdbeben nicht schon wieder ihre gesamte Existenz verloren", sagte Keßler.

Quelle: diakonie-katastrophenhilfe.de


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